Los Angeles Wie Disneys "Fehler" zum Klassiker wurde

Micky Maus als "Zauberlehrling" im späteren Kultfilm "Fantasia".
Micky Maus als "Zauberlehrling" im späteren Kultfilm "Fantasia". © Foto: Disney/dpa
VALERIE HAMILTON, DPA 13.11.2015
Walt Disneys erster Zeichentrickfilm mit klassischer Musik galt als teurer Flop. Heute hat er Kultstatus. Vor 75 Jahren feierte "Fantasia" Premiere.

Als Walt Disney 1937 in einem Restaurant in Los Angeles auf Dirigent Leopold Stokowski traf, starteten sie zusammen einen Zeichentrickfilm, der einige der bekanntesten Stücke der klassischen Musik illustriert - darunter Bachs "Toccata", Tschaikowskys "Nussknacker-Suite", Strawinskys "Sacre du Printemps" und Paul Dukas' "Zauberlehrling". Vor 75 Jahren feierte "Fantasia" in New York Premiere.

Der Film besteht aus unabhängigen Zeichentricksegmenten. Mit tanzenden Zentauren, griechischen Göttern und von Hand skizzierten Reisen durch Zeit und Raum folgt er der Fantasie des Trickfilmzeichners und gibt der Musik ein Gesicht. Der Nachwuchszauberer ist Disneys Alter Ego, Micky Maus, und stellt basierend auf Goethes Gedicht alles auf den Kopf, als er versucht, seiner Hausarbeit mit Hilfe der Magie Herr zu werden.

Stokowski dirigierte das Philadelphia Orchester, das die Filmmusik spielt. Disney entwickelte eigens für den Film ein neues dreispuriges Schallaufzeichnungssystem, Fantasound, das Kinos für die Vorführung installieren sollten. Zu seinen gewagteren Vorschlägen gehörten 3D-Segmente und die Idee, das Publikum mit Parfüm zu besprühen. Beides wurde aus Kostengründen abgelehnt. Trotzdem kostete der Film damals mehr als zwei Millionen Dollar - viermal soviel wie geplant. Der teure Spaß lohnte sich nicht, Disney nannte ihn später einen "Fehler": Die meisten Kinos konnten sich Fantasound nicht leisten. Der Film musste von 121 auf 84 Minuten gekürzt werden, und der Zweite Weltkrieg in Europa dämpfte das Interesse an einem musikalischen Zeichentrickfilm. Zwar bezeichnete die New York Times "Fantasia" als "entzückend und aufregend neu", und das Werk erhielt einen Ehren-Oscar für seine innovativen Tonaufnahmen. Aber beim Publikum kam der Film weniger gut an und Rezensenten fanden Disney anmaßend. "Ich habe wohl versucht, ein bisschen zu clever zu sein", gab der 1955 in einem unveröffentlichten Interview zu, das kürzlich vom Smithsonian Magazin entdeckt wurde. Zunächst hatte "Fantasia" die Produktionsfirma fast in den Bankrott geführt. Doch 1969 kehrte "Fantasia" dank einer psychedelischen Untergrundkultur in die Kinos zurück - und wurde Kult.

Spätere Zuschauergenerationen sahen den Film nicht mehr als Fehlzündung, sondern als visionäres Meisterwerk. Die bahnbrechende Kreativität beeinflusste Regisseure wie Steven Spielberg und Wes Craven. Letztlich spielte "Fantasia" bis heute mehr als 72 Millionen Dollar (67 Millionen Euro) ein.