Nach dem ersten Konzert von „Nick Mason’s Saucerful of Secrets“ in London und der Ankündigung weiterer Liveshows hatte es bei den Fans mächtige Euphorieschübe gegeben: endlich wieder ein Pink Floyd-Original auf der Bühne, und zwar mit einem Programm, das allein aus Stücken der Jahre 1967 bis 1972 besteht. So war das auch beim ausverkauften, bejubelten Konzert in der Stuttgarter Liederhalle. Beifall für die Lebensleistung, aber auch für ein besonderes Konzert: Schließlich war mit dem Bassisten Guy Pratt einer dabei, der seit Jahrzehnten die Rolle von Roger Waters bei Pink Floyd ausfüllt; und Gary Kemp, Gitarrist von Spandau Ballet, machte das Kumpel-Feeling perfekt.

Deutlich mehr als eine Tribute- oder Cover-Band also, wenn’s auch bisweilen danach klang, besonders wenn die Instrumente aus der Jetztzeit und der Anspruch des Tontechnikers Nostalgie pur unmöglich machten. Wo eine Cover-Band tatsächlich alles daran gesetzt hätte, „Astronomy Domine“ oder „The Nile Song“ so nah wie irgend möglich am Original zu spielen, gab’s auch Spaßräume und Lustspiel jenseits des Anspruchs der absoluten Authentizität. Besonders wenn die Herren in starker Mehrstimmigkeit frühe Klassiker wie „Arnold Layne“ oder „See Emily Play“ spielten, war es eine wirkliche Zeitreise und vor allem eine Hommage an den legendären Syd Barrett, der sich einst aus der Songwriter-Genialität in den Drogenrausch verabschiedet hatte.

Der inzwischen 74-jährige Mason war für Pink Floyd weit mehr als nur der Ruhepol im ewigen Konflikt zwischen Roger Waters und David Gilmour. Er war der Schlagzeuger, der mit geringst möglichem Aufwand einen entspannten Drive entwickeln, den Band-Riesen mit sanftem Druck souverän anschieben konnte. Seine Trommelflüge über die Toms in „Set The Controls For The Heart of The Sun“ durfte man in Stuttgart nun endlich wieder live erleben, und Mason machte breit schmunzelnd das, was in diesem Stück  immer Waters vorbehalten war: den Gong schlagen.

„Atom Heart Mother“ wurde zum anachronistisch-seligen Vergnügen, und einen ganz starken Moment gab es noch mit dem so gewaltig pulsierenden „One of These Days“. Dann wurde in der Zugabe mit „A Saucerful of Secrets“ das große psychedelische Finale gezündet – und dazu konnte man sich auch ohne Drogen und Räucherstäbchen erstaunlich gut wegträumen.