Mitten auf der Wiese liegt ein pinkfarbenes Boot, in eine Baumkrone hat sich ein riesiges Kanonenrohr verirrt. Oder ein Fernrohr? Ein Straßenschild weist zum "Himmel", ein andres in die "Hölle". Abends geschieht Seltsames auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz: Skurrile Gestalten, etwa eine zackige Generalin und ein schrulliger Umweltschützer, düsen auf Segways durchs Gelände. Irgendwo schaut eine Besuchergruppe zu, wie sich an leerstehenden Soldatenunterkünften die Fensterläden öffnen und schließen, von unsichtbarer Hand bewegt - eine kinetische Installation von Anja Luithle. Es scheint, als werde diese Geisterstadt im Alten Lager, ein seit 2005 nicht mehr genutztes Militärareal im heutigen Biosphärengebiet, zu neuem Leben erweckt.

Bataillonsgebäude, Pferdelazarett, Remise werden von "Interim" mit Kunst, Theater und Musik bespielt, belebt und verzaubert. Kernstück der Kunstbiennale ist ein Abend-Parcours, bei dem Schauspieler des Theaters Lokstoff durchs Areal führen. Ein Rundgang, bei dem die Geschichte in Kunstobjekten, Klangkreationen und Spielszenen aufscheint. Schauspieler verkörpern örtliche Geister: Neben Generalin, Umweltschützer und Köchin erzählt Blehers Karlena aus Gruorn (Kathrin Hildebrand), wie das Dorf 1938 zwangsumgesiedelt wurde, um den Truppenübungsplatz zu erweitern - inszeniert als Leichenprozession mit Harfenmusik. In der Kantine beginnt in Kochtöpfen ein halbes Dutzend Rührlöffel zu rotieren. In der alten Kapelle leuchtet Silke Wagners Neonschrift "Sag mir wo die Blumen sind", im Feuerwehrhaus besingt ein "Biosphärenchor" die Alb-Historie, und in der früheren Küche serviert Christian Dähn eine perkussiv groovende "Klangmahlzeit" auf Dunstabzugshauben und Marmeladeneimern.

Rund zwei Stunden dauert das. Statt belehrender Vergangenheitsbewältigung gelingt dem Parcours in den besten Momenten eine liebenswert skurrile Belebung des Gebiets mit alten Geschichten und bleibenden Fragen. Motto: "Nichts bleibt - Wechsel, Wandel, Übergang."

Kuratorin Ulrike Böhme und Komponistin Susanne Hinkelbein, bekennende Wahl-Älblerinnen, haben die Kunstbiennale konzipiert. Das Biosphärengebiet, so Böhme, sei ein Raum zwischen "nicht mehr" und "noch nicht". Diesen Zustand will das Festival aufgreifen.

2015 soll die nächste "Interim" folgen, anderswo im Biosphärengebiet. Venedig, Saõ Paulo, Istanbul - sie alle haben eine Kunstbiennale. Jetzt eben auch Münsingen.

Info Tagsüber lässt sich das Areal selbstständig erkunden, den Parcours gibt es noch am 5.-7. Juli, um 20 Uhr; www.interim-biennale.de