„Weißt du, was daraus wird?“ So spekulieren die Nornen im ersten Aufzug der „Götterdämmerung“ über das Schicksal. Bei den Bayreuther Festspielen schaut Chefin Katharina Wagner angesichts der Coronavirus-Epidemie auch bange in die Zukunft. Noch bestehe Hoffnung, verlautbart es vom Grünen Hügel.

Die Festspiele sollen am 25. Juli mit den „Meistersingern von Nürnberg“ starten (mit dem Dirigenten Philippe Jordan, der einst in Ulm seine Weltkarriere begann); als Neuinszenierung folgt vom 27. Juli an Richard Wagners Vierteiler „Der Ring des Nibelungen“. Zu den Besuchern sollen dann auch die Stipendiaten der internationalen Richard-Wagner-Verbände gehören. Diese haben es sich unter anderem zum Ziel gesetzt, den künstlerischen Nachwuchs zu fördern – und schicken ihn auch nach Bayreuth, damit sie Aufführungen im Festspielhaus kennenlernen können. Spätere Berühmtheiten wie Jonas Kaufmann, Waltraud Maier oder Christian Thielemann waren Stipendiaten.

Mitgliederversammlung ist auf September verschoben

Der Wagner-Verband Ulm/Neu-Ulm hat in diesem Jahr auch wieder drei Stipendiaten ausgewählt. Vor der Mitgliederversammlung des Vereins am 21. März im Club Orange der Ulmer vh hätten sie eigentlich auftreten sollen – aber das fällt jetzt aus. Die Mitgliederversammlung ist auf September verschoben, die Stipendiaten werden jetzt zunächst mal in unserer Zeitung vorgestellt.

Die 19-jährige Sopranistin Valérie Leoff stammt aus Worms, machte am Gymnasium Klosterschule vom Heiligen Grab in Baden-Baden vor zwei Jahren das Abitur und studiert seit vergangenem Jahr Gesang an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen bei Professor Andreas Reibenspies.

Den in London geborenen Tenor Luke Sinclair kennen und verehren die Ulmer seit der Spielzeit 2018/2019 als vielseitiges Ensemblemitglied des Theaters: Sinclair, der im schottischen Glasgow studierte, hat unter anderem den Freddy in „My Fair Lady“ gesungen, den Steuermann im „Fliegenden Holländer“ und den Arturo in „Lucia di Lammermoor“. Er gehörte zu den „Drei Tenören“ des Theaterballs und hätte an diesem Donnerstag in der Partie des Herzogs Premiere in Verdis Oper „Rigoletto“ gehabt.

Der 1993 in Bielefeld geborene Dramaturg Christian Stolz studierte in seiner ostwestfälischen Heimatstadt und danach in Leipzig Germanistik und Literaturwissenschaft. Er kam 2018 als Dramaturgie- und Regieassistent ans Theater Ulm und wurde gleich mit dem Ulmer Theaterpreis (in der Sparte „Nachwuchs“) ausgezeichnet. Seit dieser Saison arbeitet Stolz am Karajan-Platz als Dramaturg für Tanz, Musiktheater und Schauspiel.

Und was empfiehlt Viola Lachenmann, die Vorsitzende des Wagner-Verbands, in diesen bitteren Zeiten? „Natürlich Wagner-Oper hören und so laut stellen, dass Sie sie auf dem Liegestuhl im Garten hören können – dann geht es Ihnen gleich viel besser!“