Pittsburgh Vor 35 Jahren begann der Smiley-Wahnsinn

Professor Scott Fahlman mit einem ausgedruckten, riesigen Emoticon: Erfolg von Datenarchäologen.
Professor Scott Fahlman mit einem ausgedruckten, riesigen Emoticon: Erfolg von Datenarchäologen. © Foto: Twitternutzer @retrochenta/swp
Pittsburgh / swp 19.09.2017
Ein amerikanischer Forscher schlug 1982 vor, in sozialen Netzwerken Smileys zu benutzen. Heute ist seine Idee so populär wie nie.

Inzwischen steht das Wort Emoji sogar im Duden. In diesem Jahr nahm es die Redaktion des Nachschlagewerks in ihren Kanon auf. Schon vor 35 Jahren, am 19. September 1982, aber begann der Siegeszug des Gefühlszeichens. Damals schlug der US-Amerikaner Scott Fahlman in einem elektronischen Diskussionsforum der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania die Verwendung einer einfachen Zeichenfolge für den Ausdruck von Humor und Lachen vor. Das so genannte Emoticon, der Vorläufer des Emoji, war geboren. Auch für Ernstes schlug Fahlman ein Zeichen vor. Er wollte, dass die Community der Uni lustige und ernste Posts in dem frühen sozialen Netz der Bildungseinrichtung als solche kennzeichnet. Denn nicht immer war die Intention eines Beitrags für jeden Leser gleich ersichtlich. Dabei wurden die Juxe längst immer mehr.

„Ich schlage die folgende Zeichensequenz zum Markieren von Witzen vor: :-).“, schrieb Fahlman in dem Messageboard der Universität. Man müsse das ganze nur seitwärts lesen. „Des Weiteren ist es im Hinblick auf aktuelle Trends vermutlich ökonomischer, Dinge zu markieren, die nicht lustig sind“, schrieb Fahlman weiter. Dazu solle man :-( benutzen.

Farnham ist inzwischen Informatikprofessor an der Carnegie Mellon University in Pennsylvania. Zwischenzeitlich arbeitete er unter anderem für IBM. Auf seiner Website setzt er sich auch mit den Folgen seiner Idee auseinander: „Innerhalb weniger Monate sahen wir plötzlich Listen mit Dutzenden von verschiedenen Smileys“, schreibt er in einem Blog-Eintrag über die Zeit nach dem Vorschlags-Post. Es habe auf diesen Listen Smileys mit offen stehenden Mündern, mit Sonnenbrillen und welche, die wie Abraham Lincoln, der Weihnachtsmann oder der Papst aussahen, gegeben. „Derlei gewitzte Zusammenstellungen zu produzieren wurde offenbar ein regelrechtes Hobby für manche Leute“, schreibt der Wissenschaftler.

Beiträge über Fahlman und das Smiley-Jubiläum auf dem Kurznachrichtendienst Twitter:

Erst im Jahr 2002 allerdings grub eine Gruppe von Experten, unter anderem des Softwareherstellers „Microsoft“, den geschichtsträchtigen Post von Fahlman aus. Dazu durchforsteten die Datenarchäologen alte Bandkopien in den Archiven der Universität. Rechtzeitig zum 20. Geburtstag des Smileys wurden sie dann fündig. Bis heute kann der Post - oder vielmehr eine Wiedergabe desselben - auf Fahlmans Website angesehen werden. Ein weitaus längerer Post allerdings, in dem Fahlman den Vorschlag noch eingehender erläutert, ist bis heute verschollen. Kritiker sind zudem der Meinung, dass Fahlman keinesfalls der Erfinder des Emoticons ist, sondern diese schon in der Zeit der Ferschreiben und Telegraphen gängig waren. Richtig bewiesen ist dies allerdings nicht. Zudem sehen viele Menschen in der Verwendung von Emoticons und Emojis einen Verfall der Sprache.

So oder so haben sich Smileys im Web als Ausdruck von ganz unterschiedlichen Gefühlen und Meinungen durchgesetzt. Aus der simplen Satzzeichenfolge ist im Zeitalter von Smartphones und Tablet-PCs das Emoji geworden: das bunte und teilweise animierte, also sich bewegende, Nachfolgezeichen des Emoticons. Es ist einem Smiley auch viel ähnlicher. Die jüngste Generation von Smartphones übernimmt auf Wunsch sogar die Mimik des Nutzers in ein Emoji. Vor allem aber muss letzteres nicht mehr wie mit schief gelegtem Kopf gelesen werden.