Wer Sebastian Fitzek mal live erlebt hat, der weiß: Der Mann sprudelt nur so vor Ideen. Dabei ist der Begriff live wirklich eher im Sinne eines Rock-Konzertes zu verstehen. Denn Fitzek präsentiert sich wie ein Popstar, er reichert seine Lesungen auch gerne mal mit einer Band an, greift dabei selbst zu den Schlagzeugstöcken. Und Fitzek hat sehr sensible Antennen für aufkommende Themen und ein Händchen dafür, sie zu regelrechten Schmökern zu verarbeiten –  höchst massenkompatibel, wie die Verkaufszahlen beweisen.

Jetzt hat er binnen weniger Monate zwei Thriller vorgelegt. „Das Paket“ schaffte es auf Anhieb in die Bestsellerlisten und rangiert dort immer noch in den Top Ten, die Story lotet die psychische Manipulierbarkeit der Menschen aus. Im eben erschienenen „AchtNacht“ widmet sich Fitzek jetzt dem Internet mit seinen manipulativen Möglichkeiten.

Worum geht es? Bernd Rühmann ist Schlagzeuger. Sein Problem: Er hat die Rockband Fast Forward just zu jenem Zeitpunkt verlassen, als bei den Musikern der große Erfolg einsetzte. Jetzt hält er sich mit miesen Tanzmusikjobs über Wasser, verliert aber auch die, nachdem er sich nach einem Selbstmordversuch seiner Tochter wieder mal zugeschüttet hat. Seine Tochter ist ein Krüppel, hat beide Unterschenkel bei einem Unfall verloren, bei dem Rühmann am Steuer gesessen hatte. Trotzdem glaubt Rühmann nicht an einen Suizid-Versuch, einige Indizien sprechen dagegen. Rühmann ist sich sicher, dass seine Tochter, die nach einem Sturz vom Flachdach ihres Hauses im Koma liegt, Opfer eines Verbrechens ist.

Doch die Probleme des Rundumversagers werden noch viel massiver. Denn im Internet kursieren schon seit Monaten Gerüchte über eine Todeslotterie. Jeder kann sich anmelden und gegen eine Gebühr von zehn Euro den Namen eines Menschen eingeben, dem er den Tod wünscht. Am 8. August  werden die Namen jener gezogen, die in dieser Acht-Nacht straflos getötet werden dürfen. Dem erfolgreichen Jäger winken zehn Millionen Euro Prämie – und Straffreiheit. Rühmanns Problem: Sein Name wird gezogen . . .

Ein moderner Staat, der seine Bürger wie im Mittelalter für vogelfrei erklärt? Eine völlig irrwitzige Geschichte, die auch Fitzek nicht als Realität verkaufen will. Die ganze Aktion ist nichts weiter als ein Experiment, um zu testen, wie weit die Schwarmdummheit im Internet geht. Nur: Der Urheber des Experiments meldet sich nicht zu Wort, als die Jagd beginnt. Ein psychotischer Schläger und ein dubioser Unternehmer, der mit verbotenen Sex- und Killervideos im Internet sein Geld macht, beschließen, den Tod Rühmanns zu versilbern. Sie frisieren Videos, die den Musiker des sexuellen Missbrauchs und brutaler Gewaltakte bezichtigen, jagen ihn auch in zweifelhafte Situationen. Um ihn gefügig zu machen, haben sie Rühmanns im Koma liegende Tochter mit einer langsam wirkenden Substanz vergiftet, deren Gegenmittel nur sie kennen.

Sicher: „AchtNacht“ bietet reichlich viel Fantasie. Aber Fitzek konjugiert die Möglichkeiten und Folgen von Fake News und manipulierten Videos konsequent durch. Und wie weit die reichen können, welche gesellschaftliche Relevanz offensichtlicher Blödsinn erreichen kann, wie groß die Schwarmdummheit tatsächlich schon geworden ist, zeigt unsere politische Realität. Manches davon war gestern noch unvorstellbar.

Seine Bücher gibt es in 24 Sprachen

Autor Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Er studierte Jura, promovierte im Urheberrecht und arbeitete für verschiedene Radiostationen. Seit 2006 schriebt er Psychothriller Seine Bücher haben eine Gesamtauflage von acht Millionen und wurden in 24 Sprachen übersetzt.