Oper Villazón: Mr. Bean als Papageno

Der Startenor in der Bariton-Rolle: Rolando Villazón als Papageno.
Der Startenor in der Bariton-Rolle: Rolando Villazón als Papageno. © Foto: Andrea Kremper
Baden-Baden / Georg Rudiger 11.07.2018

Schon die ersten Akkorde versprechen Außergewöhnliches. Und wenn die schnelle Fuge in der Ouvertüre der „Zauberflöte“ beginnt, dann bringt Yannick Nézet-Séguin das Chamber Orchestra of Europe zum Sprechen, Flüstern, Seufzen und Jubeln. Der frankokanadische Dirigent drückte auch dieser konzertanten Produktion, der schon sechsten für die Deutsche Grammophon aufgenommenen Mozart-Oper, seinen Stempel auf.

Da war es fast tragisch, dass ausgerechnet Rolando Villazón, der dieses Mammutprojekt im Jahr 2011 initiiert hat und bei allen Produktionen mitwirkte, den Glanz dieser Baden-Baden-Gala im ausverkauften Festspielhaus trübte. Mit der Baritonpartie des Papageno hat sich der  Tenor keinen Gefallen getan. Schon bei der Auftrittsarie „Der Vogelfänger bin ich ja“ muss Villazón forcieren. Für die komödiantische Seite der Rolle ist er natürlich prädestiniert, aber einen echten, kernigen Naturburschen macht er nicht aus dem Vogelfänger, sondern eher einen leicht tuntigen Mr. Bean-Verschnitt.

Alles andere in dieser „Zauberflöte“ ist ein Hochgenuss, was neben dem ausdrucksstarken Chamber Orchestra of Europe und dem enorm fokussierten RIAS Kammerchor an den herausragenden Solisten liegt. Klaus Florian Vogt singt einen hellen, höhensicheren Tamino, mit Christiane Karg hat er eine tief schürfende Pamina an seiner Seite, deren reiches Seelenleben die Sopranistin mit vielen Farben und Schattierungen deutlich macht. Ihre g-Moll-Arie „Ach, ich fühl’s“ wird zum emotionalen Höhepunkt des Abends.

Albina Shagimuratova ist eine koloraturensichere Königin der Nacht. Franz-Josef Selig singt mit unangestrengtem Bass einen tiefenentspannten Sarastro. Dass diese „Zauberflöte“ am Ende viel mehr ist als die Summe von Einzelteilen, verdankt sie dem Dirigenten Yannick Nezét-Séguin und seinen fließenden, organischen Tempi, dem klaren Zugriff und seiner enormen Musikalität (weitere Aufführungen im Festspielhaus Baden-Baden heute und am 14. Juli).

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