Mannheim Verständigung mit Shakespeare

Die Darsteller bei der Probe für das interkulturelle Shakespeare-Theaterprojekt in Mannheim.
Die Darsteller bei der Probe für das interkulturelle Shakespeare-Theaterprojekt in Mannheim. © Foto: Klaus Tschira Stiftung
Mannheim / RALF SCHICK, EPD 30.05.2015
Ein Stück interkultureller Theaterarbeit: Mannheim zeigt eine zweisprachige Shakespeare- Inszenierung mit deutschen und bulgarischen Darstellern.

Die Mannheimer Neckarstadt-West ist ein bunter Stadtteil. Deutsche leben dort Seit an Seit mit Zuwanderern aus aller Welt. Viele stammen aus Bulgarien, sie sind Nachbarn und doch häufig fremd. Der Theaterregisseur Hansgünther Heyme, ehemaliger Intendant des Ludwigshafener Theaters im Pfalzbau, will jetzt etwas dagegen tun: Mit einer Theaterinszenierung von William Shakespeares "Sturm", bei der deutsche und bulgarische Laiendarsteller zusammen auftreten.

Eigentlich hatte Heyme mit seinen 79 Jahren gerade erst ein erfülltes Theaterleben in Ludwigshafen beendet. Als er dort wegging, habe er den Mannheimer Oberbürgermeister gefragt, wo er sich sozial einbringen könne. Dieser empfahl ihm jenen Stadtteil, "wo die aus Bulgarien stammenden Menschen vielleicht den schwierigsten Grad der Integration haben", sagt Heyme.

Denn der Stadtteil hat es in sich. Dennoch, oder gerade deswegen ist Heyme überzeugt, dass er mit seiner Theaterarbeit viel zur Integration beitragen kann. Heyme hat da Erfahrung, zuletzt mit dem Epos "Gilgamesch" an seiner alten Wirkungsstätte.

"Ziel ist von Anfang an eine bessere Verständigung untereinander gewesen", erzählt der Regisseur. "Auch wenn dies sehr, sehr schwierig ist und letztlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein." Durch das Vertrauen in die Fähigkeiten der Laiendarsteller wolle man auch "einen Beitrag zur Identitätsstiftung leisten", ergänzt Heyme. "Und die Begeisterung und Spielfreude bei den ersten Castingtreffen haben uns schon bewiesen, dass wir nicht falsch liegen", sagt der 79-Jährige.

Dazu arbeitet Heyme mit etwa 25 Darstellern, insgesamt sind 40 Leute beteiligt. An seiner Seite hat er den bulgarischen Schauspieler Limeik Topchi, der ihm hilft, Sprachbarrieren zu überbrücken. Projektträger ist das Kulturparkett Rhein-Neckar e.V., das mit rund 18 000 Euro von der Heidelberger Klaus Tschira Stiftung (KTS) unterstützt wird.

Vor knapp einem halben Jahr hat das Projekt begonnen, seit März wird geprobt in den klammen Kellerräumen der Neckarschule, wo an manchen Stellen der Putz von den Wänden rieselt. Beteiligt seien Laiendarsteller zwischen neun und 70 Jahre. Kostüme und Bühne sollen nach dem Vorbild von Shakespeares "Globe Theatre" entworfen werden: Aus einem Gerüst wird eine dreistöckige Zuschauertribüne gebaut. Die Bühne wird von den Zuschauerreihen umrahmt.

Gezeigt wird das Stück in einer Übersetzung von Christoph Martin Wieland, die Textfassung stammt von Christoph Klimke (mit Heyme). Szenen werden abwechselnd auf Deutsch und auf Bulgarisch gesprochen. "Das Stück bleibt aber während der gesamten Aufführung auch für jeden verständlich, der nur einer der beiden Sprachen mächtig ist", sagt Heyme.

Info Premiere ist am 10. Juli, weitere zehn Termine sind geplant.

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