Als „Mendelssohns heimliche Oper“ ist der  „Elias“ bezeichnet worden. Tatsächlich stützen die Rezitative und Arien, auch einzelne Dialoge der Figuren untereinander und mit dem Chor sowie nicht zuletzt die romantische Orchestermusik diese Aussage. Auch auf Bühnen ist das Oratorium schon inszeniert worden. Dem Kammerchor der Universität  Ulm unter Manuel Haupt mit den Chören der Sing- und Musikschule Kempten sowie dem Schwäbischen Jugendsinfonieorchester gelang eine fast musik­theatralische Wirkung auch im Altarraum der Langenauer Martinskirche.

Denn vor dem Chor als das im Glauben wankelmütige Volk Israel (auf einer Tribüne im Hintergrund) und dem Orchester traten die Protagonisten an ständig wechselnden Positionen auf, allen voran der Prophet Elias. In der Auseinandersetzung mit König Ahab und Königin Isebel wird er zum Anführer. Die Baalpriester vernichtet er, und er stimmt Gott milde, so dass Dürre und Hungersnot enden. Daniel Blumenschein gestaltete diese Partie mit wandlungsfähiger Stimme souverän, er verfügt sowohl über bass- als auch tenorbaritonale Farben.

Als Engel, Witwe und Knabe agierte Catherina Witting mit leuchtendem Sopran, als Königin und Engel Henriette Gödde mit warm getöntem Alt. Der koreanische Tenor Youn-Song Shim konnte als Hofmeister Obadjah und König vital und energievoll beeindrucken. Dramatische Höhepunkte boten das Feuer-Wunder im ersten und die Verfolgung des Elias im zweiten Teil.

Besonders zu loben war beim Konzert am Samstag die hervorragende Sprachverständlichkeit nicht nur der perfekt phrasierenden Solisten. Das gilt auch für den voll präsenten Chor in jeder Minute einer riesigen, kompakt homophone und komplex polyphone Teile verbindenden Partitur. Große Anerkennung verdienen ebenso die zum Teil noch sehr jungen Orchestermusiker, die im Ensemble wie auch in kurzen Soli den klaren Zeichen von Manuel Haupt zuverlässig folgten.