Ballett und Fußball? In einem dreiteiligen Ballettabend mit dem Titel "Hattrick" versucht das Münchner Gärtnerplatztheater, diese Gegensätze zusammenzubringen. Bei der Premiere in der Off-Spielstätte Reithalle gab es berechtigten Jubel für ein etwas zwiespältiges Tanztheaterereignis.

Im engeren Sinne um Fußball drehte es sich eigentlich nur im ersten, mit etwa einer Stunde Spieldauer längsten Stück des Abends: der Choreografie "A Dance Tribut to the Art of Football" des Norwegers Jo Strømgren aus dem Jahr 1997. In dem nicht mehr ganz taufrisch wirkenden Stück, einer Mischung aus zeitgenössischem Tanztheater, Pantomime und "eingefrorenen" Spielszenen, geht es vor allem um den Männlichkeits- und Heldenkult in der Welt des Fußballs. Den hinterfragt Strømgren mit Tempo, Witz und Ironie und spürt dabei natürlich auch unterschwellige Homosexualität und latente Gewaltbereitschaft auf.

Dies alles wurde zu harten bis psychedelischen Rock- und Technoklängen sowie Ausschnitten aus italienischen Opernarien gekonnt getanzt und gespielt, wirkte manchmal aber politisch etwas arg korrekt und in die Jahre gekommen.

Um das "Funktionieren-Müssen", die Ängste und Tränen, die sich hinter der "stählernen Körperkraft" (Programmheft) verbergen, geht es im zweiten Teil, dem Solo "Cry Boy" von Marco Goecke, dem Haus-Choreografen des Stuttgarter Balletts. Das wird von dem Solisten Javier Ubell virtuos und körperbetont aufs Parkett gezaubert, doch musste man schon im Programmheft nachlesen, um einen Zusammenhang zum Generalthema des Abends auszumachen.

Dieses Manko tritt noch deutlicher im dritten Teil zutage, "Versus Standard" von Jacopo Godani aus dem Stall von William Forsythe in Frankfurt am Main. Hier sollte es um "Strukturen und Elemente" des Mannschaftssports gehen, die mit Mitteln des Tanzes nachempfunden werden. Doch eigentlich war es nur ein - durchaus sehenswertes - Stück postmodernen Tanztheaters. Dazu wieder Wellen von Stadionjubel und Fanchören und eine Art Zwischenspiel mit kollektiven Dehnübungen. Alles in allem kein Kantersieg fürs Gärtnerplatztheater, eher ein verdientes Unentschieden.