Kunst Umstrittene Performance: die Documenta

„Der Parthenon der verbotenen Bücher“ von Marta Minujin war eins der zentralen Kunstwerke in der Documenta-Stadt Kassel.
„Der Parthenon der verbotenen Bücher“ von Marta Minujin war eins der zentralen Kunstwerke in der Documenta-Stadt Kassel. © Foto: Swen Pförtner
Kassel / Lena Grundhuber 30.12.2017

Im Superkunstjahr 2017 wollte die Documenta 14 nochmal einen draufsetzen, oder vielmehr: ein ganzes Land. Erstmals fand die immer noch wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst aus aller Welt nicht nur in Kassel, sondern auch in Athen statt. Hatte sie doch mit zwei künstlerischen Großveranstaltungen, der Biennale in Venedig und den Skulptur Projekten in Münster, zu konkurrieren.

Dass die kostspielige Expansion eine gute Idee war, wird inzwischen bezweifelt, und zwar nicht nur wegen des Finanzlochs von wohl 5,4 Millionen Euro, das Chef Adam Szymczyk hinterlassen hat. Hochpolitisch und vor allem kapitalismuskritisch gaben sich die Kuratoren um Szymczyk – doch ausgerechnet die linke Athener Szene fühlte sich übergangen, wenn nicht gar missbraucht für eine Art künstlerischen Armutstourismus. Auch die Kritik reagierte vielfach eher ungnädig auf die Schau, die viel Performatives aufbot. Dass man am Ende einen neuen Besucherrekord vermelden konnte, ändert am angekratzten Bild der Documenta wenig.

Im Vergleich wirkte die Biennale in Venedig geradezu erfrischend. Die brachte gleich zwei deutsche Preisträger hervor: Goldene Löwen gingen an Franz Erhard Walther als bester Künstler und an Anne Imhoffs Performance im deutschen Pavillon. Und so ist es tatsächlich eine Performance, die aus diesem Superkunstjahr im Gedächtnis bleiben wird. Allerdings musste man dafür weder nach Kassel noch nach Athen fahren.

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