Perspektivwechsel Ulrike Lorenz: neue Chefin der Klassik Stiftung Weimar

Ulrike Lorenz wird die erste Frau an der Spitze der Klassik Stiftung Weimar. Foto: Martin Schutt
Ulrike Lorenz wird die erste Frau an der Spitze der Klassik Stiftung Weimar. Foto: Martin Schutt © Foto: Martin Schutt
Weimar / DPA 06.11.2018

Die Mannheimer Kunsthallen-Chefin Ulrike Lorenz wird als erste Frau an die Spitze der Klassik Stiftung Weimar rücken. Der Stiftungsrat wählte die 55-Jährige am Dienstag einstimmig zur neuen Präsidentin. Sie folgt zum August 2019 auf Hellmut Seemann, der die Stiftung seit 2001 leitet.

Lorenz kündigte am Dienstag in Weimar einen „Perspektivwechsel“ an. Sie wolle den Blick weg von der „reinen Konstruktion und Rekonstruktion“ hin zu dem richten, „was uns unmittelbar in der Gegenwart beschäftigt“.

Sie plane, in ihrem Programm den politischen Aspekt stärker in den Fokus zu nehmen: „Es gibt riesige Debatten, die Demokratie um uns herum wird fragiler, wir brauchen Orientierung und ich glaube, dass die Stiftung als Hüter eines national relevanten Schatzes hier ganz eindeutig Signale setzen muss - in die Orientierungsdebatte in der deutschen Öffentlichkeit und darüber hinaus. Es gilt, ein modernes Deutschlandbild in die Welt zu transportieren.“

Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) sprach von einem „epochalen Einschnitt“. Lorenz, die in Gera geboren wurde, gilt als Expertin für die Kunst der Moderne und der Gegenwart. Sie hatte sich gegen mehrere Kandidaten durchgesetzt, die eine Findungskommission angesprochen hatte. Die Mittfünfzigerin, die in Leipzig Kulturwissenschaft und Archäologie studiert hat, leitet seit 2009 die Mannheimer Kunsthalle.

Ihr Wechsel fällt in eine Zeit, in der die Klassik Stiftung vor wichtigen Herausforderungen steht. Mehrere Großprojekte stehen an: Am 9. April 2019 soll das neue Bauhaus Museum eröffnen. An dem Tag vor dann 100 Jahren wurde von Walter Gropius das Staatliche Bauhaus in Weimar gegründet.

Neben der Großbaustelle Bauhaus Museum wird derzeit das Stadtschloss Weimar saniert. Das ehemalige Residenzschloss der Weimarer Herzöge soll für insgesamt 40 Millionen Euro zu großen Teilen instandgesetzt werden. Und danach ist das nächste Riesenprojekt geplant: Das Weimarer Wohnhaus von Goethe am Frauenplan soll voraussichtlich von Herbst 2019 an saniert werden.

Hoff sagte, dass man mit Lorenz eine Person gefunden habe, die Erfahrung damit habe, privates Kapital zu akquirieren. In der Vergangenheit gab es wiederholt Diskussionen über die Finanzierung der Klassik Stiftung, die anteilig von Bund, Land und Kommune übernommen wird. Lorenz sprach von neuen Netzwerken, die sie sich vorstellen könne: „Wir brauchen Botschafter, wir brauchen neben dem wissenschaftlichen Beirat sicher auch ein advisory board in die deutsche Wirtschaft hinein.“

Als zweitgrößte Kulturstiftung Deutschlands verwaltet die Klassik Stiftung das kulturelle Erbe der Weimarer Klassik, also der Zeit im 18. und 19. Jahrhundert, als unter anderem die Dichter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller in Weimar lebten. Gleichzeitig beschäftigt sie sich mit den Nachwirkungen der Weimarer Klassik auf die Kunst des 19. Jahrhunderts und der Moderne. Die Stiftung betreut mehr als 20 Museen, Schlösser, Parks, Literatur- und Kunstsammlungen. Einige der Gebäude zählen zum Unesco-Weltkulturerbe.

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