Mit der Fähre nach Korsika, Sardinien oder Griechenland übersetzen, das scheint ja in diesem Sommer nicht drin zu sein. Ein bisschen Fähren-Feeling macht das Ulmer Autokino auf dem Dach des Blautalcenters möglich: einsortieren in die Fahrzeugschlange, im schmalen Kreisel hoch aufs Parkdeck fahren, dirigiert werden von Frauen und Männern in Leuchtwesten, Stoßstange an Stoßstange stehen. Nur dass man dann im Wagen bleiben muss – aber unterhalten wird.

Urlaubsgefühle, ja: Nach sechs Wochen Lockdown ist der Besuch eines Autokinos ein erstes Freizeitabenteuer,  auch wenn die Leinwand weit entfernt ist und in einer acht Grad kühlen Nacht wie am Samstag die Scheiben des Wagens beschlagen. Dafür ist es ein bisschen wie beim Kindergeburtstag. Denn es gehört zum Geschäftsmodell des Ulmer Autokinos (Xinedome, die Gastronomen Michael Freudenberg und Oliver Loser sowie Lokalradio Donau 3FM), dass fürs Eintrittsgeld ein „Snackpaket“ für zwei Personen obligatorisch ist. Zwei Tüten Popcorn, zwei Tüten Chips, Minischokoriegel, Gummibärchen – und zwei Getränke nach Wahl; Bier allerdings nur alkoholfrei.

Es wird gerne gesagt, dass der Stillstand in der Corona-Krise dem Klima zugutekomme. Das trifft aufs Autokino, bei dem Fußgänger keine Chance haben, nicht unbedingt zu. Doch man kann nicht alles haben. Ein starker Film aber wäre auch nicht schlecht. Die „Känguru-Chroniken“ von Dany Levy nach den Kult-Storys Marc-Uwe Klings gehören zum Programm – sind aber eher was für Fans. Die Komödie sollte der deutsche Hit des Jahres werden, startete am 5. März,  doch nach einer Woche wurden die Kinos geschlossen. Ein Comeback also für Motorisierte. Ein kommunistisches Känguru, Anarchie in Kreuzberg – im Blautalcenter aber verläuft die Abfahrt wohlgeordnet, reibungslos (Programm: ulmer-autokino.de).