Ulm / Nina Albus  Uhr

Globalisierung, Krieg, Flucht. In einem fremden Land ankommen und zuhause sein – was macht das alles mit den Menschen, wie wirkt sich ihre Situation auf die Familie aus? Die Frage beschäftigt die 21 Schauspieler der Ulmer Theatergruppe „Teatro International“ in ihrem neuen Stück „Global Family“, das im Roxy Premiere feierte.

Es geht um alle möglichen Arten von Migration und deren Auswirkung auf die Familie. Regisseurin Claudia Schoeppl, Fachbereichsleiterin an der Ulmer vh, hat das eineinhalbstündige Stück als szenische Collage geschrieben und inszeniert. Auch die Erfahrungen der Darsteller sind als Stoff in das Stück eingeflossen.

„Globales Nomadenkind“

Die Schauspieler kommen selbst aus mehreren Ländern und haben unterschiedliche soziale Hintergründe. Genauso vielfältig wie sie selbst sind die ästhetischen Mittel. Gruppenchoreografien, Pantomime, Videobotschaften, Tanz, Musik und Gesang werden zu einem großen Ganzen zusammengesetzt.

Es geht um Heimweh und Heimat, um Tradition, Abschied und Wiedersehen und um die Bedeutung von Zuhausesein. Es fallen Begriffe wie „Passkontrolle“, „Familiennachzug“, „globales Nomadenkind“. Immer wieder stellen die Schauspieler Fragen, immer wieder werden Gedankenfetzen laut ausgesprochen, wie etwa: „Wir tragen unsere Kulturblase mit uns herum wie eine Schnecke ihr Haus.“

Sehr rührend ist die Szene, in der Magdalena Parra-Allgaier aus Argentinien und Thanyathon Lindner aus Thailand vor den Bildern ihrer Familien tanzen, die auf eine Leinwand projiziert sind. Die Verwandten scheinen nah und sind doch fern. Dazu spielt Yueling Yang ausdrucksvoll auf einer chinesischen Geige.

So wird den Zuschauern die Gefühlswelt der Migranten näher gebracht. Ein Perspektivwechsel gelingt, der Einblicke in fremde Erfahrungen und Schicksale gewährt (weitere Aufführungen am Samstag und Sonntag im Roxy, jeweils 20 Uhr).