Kairo Tutanchamun: Der Bart ist wieder dran

Er ist wieder dran, der Bart an Tutanchamuns Totenmaske.
Er ist wieder dran, der Bart an Tutanchamuns Totenmaske. © Foto: dpa
Kairo / MARTIN GEHLEN 18.12.2015
Die Goldmaske des Pharao Tutanchamun ist wieder im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz zu bewundern - mit frisch angeklebtem Bart.

"Es ist geschafft", Christian Eckmann ist die Erleichterung noch anzumerken, als der deutsche Metallspezialist in Kairo offiziell das erfolgreiche Ende einer der spektakulärsten Reparaturen Ägyptens bekannt gab. Acht Wochen nach Beginn der heiklen Arbeiten ist die 3300 Jahre alte Goldmaske des jugendlichen Pharao Tutanchamun wieder im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz zu bewundern. Der Bart ist dran, diesmal angeklebt mit Bienenwachs und nicht mit Sekundenkleber, wie bei der amateurhaften Vertuschungsaktion des Museumspersonals im August 2014.

Damals sollte die Ausstellungsvitrine gereinigt und eine defekte Glühbirne gewechselt werden. Einer der Arbeiter streifte die zehn Kilo schwere Goldmaske, der kunstvoll verzierte Zeremonienbart krachte auf den Samtboden. Statt den Unfall an dem "Glanzstück der ägyptischen Archäologie", wie Restaurator Eckmann die 1922 von Howard Carter im Tal der Könige entdeckte Totenmaske nennt, zu melden und in der museumseigenen Werkstatt eine fachgerechte Reparatur zu veranlassen, griffen die ägyptischen Angestellten zur Selbsthilfe. Schnell war ein Tübchen Sekundenkleber zur Hand und das Verhängnis nahm seinen Lauf. Schon bald fielen Besuchern überquellende Klebstoffreste an der Verbindung zwischen Bart und Maske auf, auch Antikenminister Mamdouh Eldamaty kam wegen der chaotischen Zustände in dem berühmten Museum in Erklärungsnot.

Nun jedoch sind alle wieder zufrieden, dank der fachlichen und finanziellen Hilfe aus Deutschland. Rund 100.000 Euro hat die zweimonatige Notoperation in Kairo gekostet, bezahlt vom deutschen Außenministerium und der Gerda-Henkel-Stiftung, aus deren Konzernproduktion der eingesetzte Epoxidkleber wahrscheinlich stammte. Zwanzig Fachleute gingen Christian Eckmann zur Hand, kratzten den betonharten Kleber mit weichen Lindenholzstäbchen Millimeter für Millimeter ab.

Als sich der falsch angeklebte Bart schließlich lösen ließ, kam für die Experten die nächste Überraschung. Im Inneren fanden sie einen hauchdünnen Zylinder aus Goldblech, auf den der Bart in pharaonischer Zeit aufgesteckt und bei einer ersten Reparatur 1941 angelötet worden war. Auf ihn wurde der Bart aufgeschoben und diesmal alles mit Bienenwachs befestigt.