Grebenhain/Zürich Tschechows Übersetzer Peter Urban ist tot

Seine Neu-Übersetzung von Tschechows Erzählungen konnte Peter Urban nicht vollenden. Foto: dpa
Seine Neu-Übersetzung von Tschechows Erzählungen konnte Peter Urban nicht vollenden. Foto: dpa
DPA 11.12.2013

Wer den Übersetzer Peter Urban in der hessischen Region Vogelsberg besuchte, der sah in seinem alten Bauernhaus Bücherwände mit russischer Literatur: Puschkin, Turgenjew, Gogol, Tschechow, Bunin. Ihre Werke hat Urban dem deutschen Leser zugänglich gemacht. In seinem Haus in Weidmoos ist der Schriftsteller am Montag mit 72 Jahren gestorben, wie der Diogenes-Verlag mitteilte.

Urban galt als einer der bedeutendsten Übersetzer russischer, serbokroatischer und tschechischer Literatur. Seine große Liebe war Anton Tschechow: "Ich halte ihn für den größten Menschendarsteller nach Shakespeare", sagte Urban der dpa. Für die Literatur bedeuten Tschechows gebrochene Helden den Durchbruch zur Moderne. Urban übersetzte seine Dramen, Briefe und Erzählungen in schlanker und textgetreuer Sprache.

1941 in Berlin geboren, kam Urban 1964/65 in Belgrad zum Übersetzen. Es folgten Jahre als Lektor für slawische Literatur, Hörspielredakteur und Geschäftsführer des Verlags der Autoren. Ab 1989 lebte er als freier Übersetzer und Schriftsteller. Urban, lang, hager, Kettenraucher, schrieb meist nachts. "Ich brauche Stille, um die Sätze zu hören." Er machte sich zu eigen, was Puschkin von jedem Schreibenden verlangt: "Genauigkeit und Kürze".

In zwei Verlagen war Urban zu Hause: In Berlin bei der Friedenauer Presse und bei Diogenes. Urbans letztes großes Werk, eine Neuübersetzung aller Erzählungen Tschechows, wird leider unvollendet bleiben.