Top Secret: Ungewöhnliche Arbeitsbedingungen der Verlage und Übersetzerinnen

CLAUDIA REICHERTER 28.09.2012

Ungewöhnliche Kooperation: Das gebundene Buch "Ein plötzlicher Todesfall" erscheint wie J.K. Rowlings Harry-Potter-Bände beim Carlsen-Verlag (Hamburg), das Taschenbuch etwas später bei Ullstein (Berlin). Die erste Auflage auf Deutsch umfasst 500 000 Exemplare, sie erschien am Donnerstag zur gleichen Zeit wie die englische Originalausgabe.

Die Verleger arbeiteten vor der Veröffentlichung unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Nicht als Marketing-Gag, betonen sie, sondern zum Schutz gegen Produktpiraterie. Siv Bublitz von Ullstein spricht vom „geheimsten Buch, das wir je gemacht haben“. Zwei Tage wurden ihr im April gewährt, um das Manuskript in einer fensterlosen Kammer des Londoner Verlags zu lesen, wer die Druckerei betrat, wurde etwa auf mitgeführte Foto-Handys durchsucht, und Lkw, die die Bücher an die Händler lieferten, waren verplombt.

Susanne Aeckerle und Marion Bakenhol mussten ihre Arbeit ebenfalls vor Ort – im 14. Stock des Verlagshauses in London – erledigen. Dazu hatte das eingespielte Übersetzer-Team exakt vier Wochen Zeit. Die beiden arbeiteten sieben Tage die Woche zehn Stunden durch. Ohne Raucherpause und die gewohnten Nachschlagewerke, dafür mit Laptops ohne Internetanschluss, die dreifach code-gesichert und am Schreibtisch angekettet waren. Gelänge etwas über den Text an die Öffentlichkeit, drohten hohe Konventionalstrafen. Da werde man „mit der Zeit ganz schön paranoid“, berichten sie.

Das Buch ist erschienen im Carlsen-Verlag. Es hat 576 Seiten und kostet 24.90 Euro.