Cartoons Tom Gauld: Gnadenlos grandios

Bevorzugte Themen sind Bücherwelt und Literaturbetrieb. Eine Seite aus „Kochen mit Kafka“.
Bevorzugte Themen sind Bücherwelt und Literaturbetrieb. Eine Seite aus „Kochen mit Kafka“. © Foto: Illustration: Tom Gauld ©Edition Moderne
London / Claudia Reicherter 26.06.2018

Seine Karriere als Cartoonist verdankt er der Tatsache, dass auch Posy Simmonds („Gemma Bovery“, „Tamara Drewe“) mal Urlaub machen wollte. Und eine Vertretung brauchte. Seit mehr als zehn Jahren zeichnet der im Norden Schottlands geborene, in Edinburgh ausgebildete, heute in London lebende Tom Gauld nun schon ungewöhnlich intellektuelle und clevere Cartoons und Comic-Strips, die wöchentlich in britischen und amerikanischen Magazinen sowie Tageszeitungen wie dem „New Yorker“, dem „Guar­dian“ und der „New York Times“ erscheinen.

Der 42-Jährige gehört zur schrumpfenden Schar jener Illustratoren und Comiczeichner, die noch analog, also mit der Hand, zeichnen. Er scannt die einzelnen Bilder später ein, koloriert werden sie dann am Computer. Seine stets querformatigen Cartoons, ob mit Überschrift oder ohne, mit Sprechblasen oder ohne, sind stets unverkennbar Tom Gauld: minimalistisch, elegant, sprühend vor Sprach- und anderem hintersinnigen Witz. 153 davon hat jetzt der Schweizer Verlag Edition Moderne in einem  Buch zusammengefasst: „Kochen mit Kafka“ (160 Seiten, 19 Euro) – so abschreckend sich der Titel anhört, so gnadenlos grandios ist der Inhalt.

Von Literatur zu Pop

Thematisch setzt sich Gauld darin vorrangig mit Literatur, Digitalisierung, Pop, Science Fiction und Fantasy auseinander. Dabei versetzt er etwa lakonisch einen Briefroman mit Emojis, lässt Fortschrittsglaube auf Retro-Sehnsucht prallen. Formal ist sein Strich wackelig, die Panele sind stets klar gegliedert, die Motive reduziert bis zum Scherenschnittartigen.

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