Ulm / SWP  Uhr
Im ausverkauften Theater Ulm feierte das Publikum die Aufführung von Leben und leben lassen von 120 Mitwirkenden unter Leitung von Markus Romes.

Im ausverkauften Theater Ulm feierte das Publikum die Aufführung von Leben und leben lassen von 120 Mitwirkenden unter Leitung von Markus Romes. Im letzten Jahr führte Romes dieses große kulturelle Projekt in der Martin-Luther-Kirche in Ulm auf. Das Erleben von Toleranz zwischen Menschen treibt ihn an und er beweist am Beispiel der Kultur, wie einfach es sein kann, Toleranz zu leben und sich trotz der unterschiedlichen kulturellen Herkunft doch verständigen zu können. Für Romes ein Aufgabe des Herzens.

Und alles mischt sich: unter anderem der Kinderchor, der 1,2,3, wer hat den Ball? Wem gehört die Erde? spielerisch zu Beginn umsetzt, Michael Jacksons We Are The World, der isländische Opernsänger Thorsten Sigurdson mit Fremd bin ich eingezogen aus Schuberts Winterreise, das Liebeslied Leila vorgetragen von Morteza Ahmadi aus Afghanistan, dem Beatles-Klassiker She’s leaving home von Opernsängerin Maria Rosendorfsky und zum Finale ein syrisches Männer-Quartett und der gesamte Chor mit Lama Bdomik, das die gesamte Vorstellung zur großen Party werden ließ.

Auch die Rezitationen, zu Anfang die Erinnerung an die Weiße Rose und ihr fünftes Flugblatt, versteckt in der Ulmer Martin-Luther-Kirche, in dem Freiheit für alle Menschen in Europa gefordert wurde, dann die Sehnsucht nach seiner Heimat formuliert vom Syrer Kotayba al Rahmoun, sowie die Koranlesung durch den Pakistaner Ali Mahmoud waren starke und ergreifende Momente dieser Aufführung.

Dazu steuerte das interkulturelle Musikensemble virtuose Einlagen bei, ob Debora Vilchez auf ihren unterschiedlichen Perkussionsinstrumenten, die Cellistin Anna Khubashvili mit einem Satz aus der ersten Cello-Suite von Bach oder der Violinist Oleksandr Klimas, der virtuose Improvisationen erklingen ließ. Verzaubert wurde das Publikum von der chinesischen Erhu, eine mit dem Bogen gestrichene Röhrenspießlaute, gespielt von Yueling Li, aber auch von dem Klang der arabischen Oud, einer Kurzhalslaute, die von Amine Othmane gespielt wurde. Aber das Besondere ist der Orchesterklang, der immer wieder auf alle Musikstile variabel antworten konnte.

Und die bewusste Mischung der unterschiedlichen Stücke sorgte für Nachdenken und war trotzdem gelungene Unterhaltung, wie der sehnsüchtige Gesang des Syrers Mohammed Alouf über sein Heimatland oder der Rap-Gesang seines Kollegen Ali Momtaz, der junge Samuel Bisle couragiert singend Sag mir, wo die Blumen sind, der souveräne Didi Knoblauch mit einem Klassiker von den Hollies, natürlich Chris Maihoefer mit Bei mir bist Du schön und seinem Appell für die Freiheit der sexuellen Identität des Menschen und viele weitere wunderbare Musikstücke.

Die Franziskanerin Schwester Sigrid Bucher betörte mit ihrem Gesang genauso wie der bosnisch-muslimische Kinderchor. Alles verschmolz zu einem großen Gesang über Liebe, Toleranz, Frieden und Freiheit. Chor und Orchester sangen und spielten sich fast schon in einen Rauschzustand. Eine großartige Leistung der Chöre und aller beteiligten Sänger und Musiker. Markus Romes schaute zuweilen ungläubig staunend ins Publikum, wie das Programm die Zuhörer fesselte. Und versprach beim Schlussapplaus eine Zugabe: wir machen weiter – nächstes Jahr wird es ein neues Programm geben. Und das Publikum war natürlich beglückt: welch ein Glück, dass Integration sich hier in Ulm wirklich im kulturellen Leben manifestiert.