Stuttgart Stuttgarter Ballett lüftet und liftet "Don Quijote"

Akrobatisch: Daniel Camargo in "Don Quijote". Foto: Stuttgarter Ballett
Akrobatisch: Daniel Camargo in "Don Quijote". Foto: Stuttgarter Ballett
Stuttgart / WILHELM TRIEBOLD 25.09.2012
Er bedurfte dringend einer Frischzellenkur: Jetzt kommt der "Don Quijote" am Stuttgarter Ballett ziemlich hinreißend und mitreißend daher.

Vor zwölf Jahren sah das anders aus. Als angestaubte Ausstattungsorgie verschwand Maximiliano Guerras "Don Quijote"-Version schon bald im Ballettfundus - wohl zu Unrecht, wie sich nun zeigt. Nicht nur die Bühne wurde entrümpelt, sondern der komplette dreistündige Abend vom Choreographen gründlich überarbeitet. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Ein Traum - was sonst? Guerra lässt den Autor Cervantes, bevor er zur Feder greift, ein wenig über den Ritter von der traurigen Gestalt und vor allem über eine sonst eher nebensächliche Liebesgeschichte aus dem Volk halluzinieren. Entsprechend tümlich, bunt und munter geht es über weite Strecken zu. Doch in all der Folklore wird auch umwerfend auf dem Boden der klassischen Tradition getanzt. Von einem Ensemble, aus dem das junge Traum-Paar Elisa Badenes und vor allem der athletisch elegante Daniel Camargo besonders hervorsticht.

Badenes schüttelt spielerisch höllische Fouettés aus dem Kniegelenk, Camargo schraubt sich verblüffend leicht in ungeahnte Höhen: An beiden wird die Stuttgarter Fangemeinde ihre Freude haben. Beide gaben den beliebten "Quichote"-Pas de deux übrigens vorab schon einmal, als Camargo 2011 den deutschen (Nachwuchs-)Tanzpreis zugesprochen bekam.

Die runderneuerte Rest-Truppe - praktisch alle mit Rollen-Debüts in dieser Großproduktion - genügt ebenso allerhöchsten Anforderungen. Ein prachtvoller Kostümrausch ist das sowieso. Wobei Ausstatter Ramon Ivars vor allem das Bühnenbild reisetauglich verknappt hat, indem er die ursprünglich naturalistische Bücherwand, vor der sich Cervantes in seinen Roman phantasiert, in einen zerlegbaren Buchstabenturm verwandelt, der in raffinierter Lichtregie sogar des Ritters Windmühlen-Attacke pariert.

Am Ende steht eine triumphale Nummern-Parade aus kräftezehrenden Kurz-Soli, der spanische Romeo kriegt seine Julia, der stille Don hat genug gerettet, und Senor Cervantes macht sich beglückt an seinen Beitrag zur Weltliteratur. Und das Stuttgarter Ballett hat ein weiteres Prunkstück unter den vielen so diversen Handlungsballetten.

Info Von heute an gibt es bis zum 2. Januar 15 weitere Vorstellungen.