Karlsruhe Stefan Strumbel macht Kitsch zur Kunst

Stefan Strumbel und eine seiner knalligen Kuckucksuhren. Foto: dpa
Stefan Strumbel und eine seiner knalligen Kuckucksuhren. Foto: dpa
SWP 30.07.2012
Eine Madonna mit Basecap, eine Kuckucksuhr mit Stones-Zunge. Der Graffiti-Künstler Strumbel verwandelt Heimatkitsch in Kunst.

"Heimat" am Kreuz: Den Neonschriftzug hat der Graffiti-Künstler Stefan Strumbel in seiner Installation dort angebracht, wo sonst der Corpus hängt: Die durch Kitsch und Kommerz geschundene Heimat ist ans Kreuz genagelt. Aber sie wird auferstehen.

Der 33 Jahre alte Strumbel, dessen Ausstellung "Holy Heimat" jetzt im Karlsruher Museum am Markt eröffnet wurde, konfrontiert die Betrachter mit den verfremdeten Klischees seiner Schwarzwälder Heimat. Schrillbunte Kuckucksuhren mit Schweinekopf oder Maschinengewehren, ein Madonna mit dem berühmten Schwarzwald-Bollenhut. "Vor fünf Jahren hat kein Mensch von Heimat gesprochen", sagt Strumbel. "Und jetzt wird sie kommerziell ausgeschlachtet wie noch nie." Dagegen will der tätowierte Künstler mit den Mitteln der Werbeästhetik ankämpfen.

Seine plakativen Provokationen nach dem Vorbild des Amerikaners Jeff Koons kommen an. "What the fuck is heimat?" - eine Frage, die ihm in englischsprachigen Ländern oft gestellt wird, gehört zu Strumbels Lieblingszitaten. In der Ausstellung prangt es als Graffiti an einer Wand. "Who killed bambi" ist ein weiteres bekanntes Motiv von ihm. Unter dem Schriftzug steht eine Frau mit Bollenhut und Gewehr.

Museumsdirektor Harald Siebenmorgen feiert Strumbel als "aggressiv, polemisch und ironisch". Der junge Künstler lege die Scheinidylle der Heimat offen. "Zugleich ist seinen Werken aber auch ein liebevoller Blick auf die Heimat abzuspüren, die diese ein Stück annehmbarer macht."

Info "Holy Heimat". Museum beim Markt, Karlsruhe. Bis 25. November Di - Do 11 - 17, Fr - So 10 - 18 Uhr