Staatstheater Leitartikel: Abschiede und Neuanfang im Staatstheater

Jürgen Kanold
Jürgen Kanold © Foto: Volkmar Könneke
Stuttgart / Jürgen Kanold 30.12.2017
Alle drei Leiter verlassen im Sommer 2018 die Staatstheater Stuttgarter. Wie geht es weiter in Oper, Ballett und Schauspiel?

Europas größtes Drei-Sparten-Haus steht vor einem gewaltigen Umbruch, denn alle drei künstlerischen Leiter verlassen Stuttgart im Sommer 2018. Kompliment: Ziemlich geräuschlos und unumstritten ist es dem Kunstministerium und der Stadt Stuttgart (das mit dem Land Baden-Württemberg paritätisch im Verwaltungsrat vertreten ist) gelungen, mit vielversprechenden Namen die Führungsposten an den Staatstheatern neu zu besetzen.

Theater lebt vom Wechsel  – das Publikum darf sich auf spannende Zeiten freuen. In der Oper geht gleichwohl eine Epoche zu Ende. Nicht nur verabschiedet sich Jossi Wieler als so künstlerisch erfolgreicher wie verehrungswürdig integrer Intendant. Das Stuttgarter Musiktheater der Ära Klaus Zehelein, in dem Wieler schon als Regisseur eine Rolle spielte und dem auch Albrecht Puhlmann verpflichtet war, wird wohl eine Zäsur erleben. Viktor Schoner heißt der neue Intendant, er kommt von einem Supertanker der Branche, hatte in der Bayerischen Staatsoper München mit Weltstars und ganz anderen Größenordnungen zu tun. Das spricht für einen Gezeitenwechsel, auch musikalisch: Mit Cornelius Meister löst ein Dirigenten-Star der jüngeren Generation Sylvain Cambreling als Generalmusikdirektor ab.

Im Ballett bleibt Cranko

Das Ballett hat den Nachfolger für den so verdienstvollen Reid Anderson in der eigenen Compagnie gefunden: Tamas Detrich rückt auf. Eigentlich heißt der ewige Chef sowieso John Cranko, das Stuttgarter Ballett bewahrt dessen choreografisches Erbe mit Bravour in weltweiter Hochachtung. Trotzdem muss Detrich erfrischende Impulse setzen, das kann er zum Beispiel mit neuen Hauschoreografen.

Und das Schauspiel? Burkhard C. Kosminski vom Mannheimer Nationaltheater hat es als Nachfolger des zuletzt teils angefeindeten wie etwas verbitterten Armin Petras im neuen Intendanten-Trio sicherlich am leichtesten. Er kann unbelasteter anfangen. Andererseits sind die Erwartungen hoch, liegt das Stuttgarter Schauspiel in der überregionalen Wahrnehmung doch hinter Oper und Ballett.

Wer bleibt, in verlässlicher Konstanz, das ist der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks. Der hat freilich die schwerste Aufgabe vor sich: die Generalsanierung des Opernhauses weiter voranzutreiben. Endlich ist auch ein Ausweich-Spielort für Oper und Ballett gefunden (das Paketpostamt am Rosensteinpark), aber der entscheidende Beschluss ist noch nicht gefasst. Umbruch in Stuttgart – hoffentlich auch bald ein Aufbruch beim Projekt Generalsanierung.

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