SPIELKULTUR: Es geht um die Wurst

MAGDI ABOUL-KHEIR 04.07.2014

Fußball ist ein Thema, zu dem jeder seinen Senf dazugibt. Was auch sonst, beim Fußball geht es ja um die Wurst. Zum Beispiel heute für die Deutschen gegen Frankreich.

Beim Fußball gehts wirklich um die Wurst. Rot und Weiß sind nicht nur die populärsten Vereinsfarben in Deutschland, ohne Rote und Weiße vom Grill ginge gar nichts. Das beste Spiel ist ohne Stadionwurst eine halbgare Angelegenheit.

Vor Jahren machte sich der in Hamburg lebende Schwabe Florian Renz mit Gleichgesinnten daran, Stadionwürste systematisch zu verkosten. Ihr Blog fussballwurst.de machte Furore, die knackigen Kritiken fanden viele Fans. Nun sind in dem Buch "Auf der Suche nach der perfekten Stadionwurst" (Verlag Edition Bratwurst) die schönsten Texthäppchen appetitlich zusammengestellt worden.

Lesehungrig lernt man erstens, dass in Deutschlands Süden die Würste mehrheitlich leckerer sind als im Norden; und zweitens, dass sich der Deutsche im Ausland meist in der Wurst-Diaspora befindet. Der Blick über den Tellerrand reicht bis nach Israel, wo es Hühnerwürste im Sesambrötchen gibt. In Kambodscha, im Südostzipfel Asiens, hingegen läuft dem Tester tatsächlich das Wasser im Mund beim Anblick der dortigen Stadionwürste zusammen - bis er hineinbeißt. Es handelt sich um in Salz eingelegte Kochbananen.

Da geht es jetzt in Brasilien wurstiger zu. Dort wird ohnehin viel Fleisch verzehrt, und die europäischen Auswanderer haben zudem ihre Esskultur mitgebracht. Alles gut also für die deutschen Schlachter, äh, Schlachtenbummler.

Und heute? Bekommen die Franzosen ihr Fett ab? Gehen die Deutschen endlich wieder mit Biss ins Spiel? Oder werden sie durch den Fleischwolf gedreht und stehen am Ende wie arme Würstchen da? Und gibt Per Mertesacker wieder die beleidigte Leberwurst und sagt: Mund abputzen und weiter?

Ach, Sie interessieren sich gar nicht für Fußball? Dann kann Ihnen das alles sowieso Wurst sein.