Kunstschau Spaziergang ins Licht mit James Turrell

Baden-Baden / Von Burkhard Meier-Grolman 28.06.2018

Auch für den Museumsgründer Frieder Burda muss es ein Schock gewesen sein. Er hat seine Kunstherberge an der Lichtentaler Allee in Baden-Baden gar nicht wiedererkannt. Zwar hat sich an der weiß getünchten und bei Sonnenlicht heftig strahlenden Außenfront kaum etwas verändert, aber drinnen im Gebäude selber kommt man sich vor als wäre man zu Gast bei Gregor Schneider. Der hatte 2001 den deutschen Biennale-Pavillon in Venedig mit zig eigentlich unbegehbaren, weil viel zu klein geratenen Arrestzellen und Wohnverliesen bestückt und ihn damit in eine nur schwer zu ertragende Hochburg der Klaustrophobie verwandelt.

So tastet man sich jetzt auch bei Burda in Baden-Baden vorsichtig an stockdüsteren Wänden entlang, bevor man zum Ort der Erleuchtung kommt. Es sind die wunderbaren Wunderkammern des mit echt amerikanischem Quäkerwasser getauften Rauschebarts James Turrell, eines Kunst-Großmeisters, der seit genau 50 Jahren alle zur Verfügung stehenden Register an seiner Lichtorgel zieht und einem dabei unglaublich intensive Gefühlsmomente beschert.

In seine prall mit Farbe gefüllten Lichträume kann man regelrecht eintauchen, man kann hineingehen und herumspazieren, kann das Honiggelb, das Himmelblau, die Rosa-Rost- und Rottöne, das Violett-Bouquet und das Pink-Universum direkt einsaugen, erspüren, man kann die Farb-Nuancen und das Farb-Changieren wie in einer Séance beim indischen Guru erleben. Diese Farb­räume sind nicht von dieser Welt, alles hier scheint übersinnlich zu sein.

Kein Wunder, dass die namhaften und der aktuellen Kunst gegenüber aufgeschlossenen Kunstsammler und Museumseigner unbedingt einen sündhaft teuren Lichtraum von James Turrell ergattern wollen. Frieder Burda brauchte auch ein solches Vorzeigestück und musste dabei in Kauf nehmen, dass sein vom Architekten Richard Meier auf vor allem Lichtdurchlässigkeit konzipiertes Museum bis Ende Oktober durch klobige Raum-Boxen verschandelt wird.

Dafür bekommt er dann seinen Turrell und dazu noch als sehr informatives Zubrot die überhaupt erste große Turrell-Retrospektive auf deutschem Boden. Zu Deutschland, sagt Turrell, habe er eh eine besondere Beziehung, denn er hatte schließlich 1968 eine erste Werkschau bei Heiner Friedrich in der Münchner Maximilianstraße.

James Turrell ist weltweit in Sachen Farbe und Licht unterwegs, ob in Japan oder in Australien. Mit der ihm eigenen Besessenheit sucht er nach Orten, die für seine Lichträume taugen. Ob auf Terrassen, in Türmen, in Kuppeln, Kegeln oder Kugeln, ja sogar in veritablen Vulkankratern, er bastelt unablässig an seinen Lichtlandschaften.

Für das Licht baut er und tut er alles, denn er ist davon überzeugt, dass der Einfluss von Farbe und Licht auf unser Gefühlsleben groß ist, dass das Licht auch therapeutisch eingesetzt wird, weil es eben eine so hohe Wirkungskraft besitzt. Wenn man einen seiner Farbräume in Baden-Baden besucht hat, weiß man, wovon er spricht.

Große Schau in Baden-Baden

Die Ausstellung „James Turrell – The Substance of Light“ läuft noch bis zum 28. Oktober im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, Lichtentaler Allee 8 b; Öffnungszeiten sind immer Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Mehr Informationen zur Ausstellung im Internet unter: www.museum-
frieder-burda.de

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