Ein französischer Vorname, ein deutsch klingender Nachname. Insofern ist dieser Xavier Kieffer ein typischer Luxemburger. Doch der Koch und Besitzer des Restaurants „Deux Eglises“ kümmert sich nicht nur um die traditionelle luxemburgische Küche. Sehr zum Missfallen der Polizei stolpert Kieffer von einem Kriminalfall in den nächsten. „Bittere Schokolade“ heißt der nunmehr sechste Roman dieser kulinarischen Krimireihe von Tom Hillenbrand. Und der dreht sich um ein auf den ersten Blick recht unspektakuläres Kapitel der Lebensmittelwirtschaft: Kakao. Ein Produkt, das seine ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten hat, ungeheuer empfindlich auf Witterung und Schädlinge reagiert, immer knapper und damit immer teurer wird.

Eine Jugendliebe

In Kieffers Leben bricht das Thema in Person seiner Jugendliebe Ketti Faber ein, die der Koch in keiner guten Erinnerung hat. Doch als die Patisseurin ihn in ihre neue Schokoladenmanufaktur in der Nähe von Brüssel einlädt, kann Kieffer nicht widerstehen. Ketti hat große Pläne. Sie will in ihrer Manufaktur nicht nur ausschließlich fair gehandelten Kakao verarbeiten, sondern auch Schokolade, die auf einer Plantage in Westafrika hergestellt wird. Ein absolutes Novum, denn bisher wurde nur der reine Rohstoff importiert, veredelt wurden die Bohnen in Europa.

Kurz darauf wird Ketti brutal ermordet. Hat ihr Tod etwas mit jener mysteriösen Plantage in Westafrika zu tun, von der die Manufaktur ihren Kakao bezog? Und was hat es mit dem Luxemburger Botschafter der Republik Kongo auf sich, der etwa zur selben Zeit wie Ketti Faber stirbt? Welche Rolle spielt der Schweizer Lebensmittelkonzern, der über Strohmänner an der Plantage beteiligt ist? Zudem werden in Kieffers Restaurant riesige Roh-Schokolade-Blöcke angeliefert. Als der Koch einen davon schmilzt, findet er darin eine Handvoll Rohdiamanten. Kieffer ermittelt, reist dazu auch nach Westafrika und riskiert dabei Kopf und Kragen.

„Bittere Schokolade“ hat jede Menge Handlungsstränge, die den Leser schnell verwirren könnten, wäre da nicht die erzählerische Virtuosität Tom Hillenbrands. Der schafft es, die Fakten erstaunlich leichthändig zu vermitteln. So ist dieser Krimi nicht nur spannend. Nach der Lektüre wird man jedes Stück Schokolade ganz anders schätzen.