Wagner Sonnenschein über dem Grünen Hügel

Malerstar Neo Rauch  hat  die Bühne für „Lohengrin“ entworfen.
Malerstar Neo Rauch hat die Bühne für „Lohengrin“ entworfen. © Foto: dpa
Bayreuth / Jürgen Kanold 25.07.2018

Der Weltstar-Maler Neo Rauch kommt mit Mops zur Pressekonferenz und fühlt sich in Bayreuth wie auf dem „Kindergeburtstag“. Alle Wünsche seien ihm sofort erfüllt worden, das sei doch eine große Überraschung gewesen, sagt der Leipziger, der mit seiner Frau Rosa Loy das Bühnenbild und die Kostüme für den „Lohengrin“ entworfen hat: in einer romantischen „Bläue“. Kaum habe er eine Figur gezeichnet, sei schon ein Darsteller entsprechend aus der Kulisse getreten.

Und Rauch ist hoch dankbar dafür, dass der junge israelisch-amerikanische Regisseur Yuval Sharon seine Kunst dann auch „bewegt“ hat. Ein fast unaufgeregter Bayreuther Sommer also kündigt sich an, völlig skandalfrei. Nur der Tenor für den Lohengrin war den Festspielen kurzfristig abhanden gekommen: Roberto Alagna hatte abgesagt, weil er sich der Partie nicht gewachsen gesehen hatte – gute Einsicht. Da musste Dirigent und Musikdirektor Christian Thielemann viele Beziehungen spielen lassen, er zeigte sich gestern Nachmittag beim Gespräch in der „Ring-Lounge“ sehr dankbar gegenüber vielen Intendanten und Veranstaltern, dass sie seinen Wunsch-Sänger Piotr Beczala freigegeben hatten.

Heute nun ist Premiere, Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich angesagt, natürlich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie die Kollegen aus Tschechien und den Niederlanden. Die Promi-Dichte ist gewohnt überschaubar im Oberfränkischen, da sind TV-Schauspieler Udo Wachtveitl („Tatort“) und Francis Fulton-Smith („Dr. Kleist“) schon ein Ereignis. Das Wagner-Publikum aber pilgert unverdrossen auf den Grünen Hügel. Vergangenes Jahr hatte es Irritationen gegeben, weil teils relativ leicht noch Karten zu haben gewesen sein sollen. Aber da spielen das Internet und der Schwarzmarkt eine Rolle. 2018 jedenfalls, so wird betont, sind die Festspiele „ausverkauft“, ja die Karten zwischen 10 Euro (Hörplatz auf der Galerie) und 320 Euro seien „immer noch mehrfach überbucht“.

Festspielchefin Katharina Wagner, die kolossal wagnerisch auftritt, sagt auf Presseempfängen mit rauchiger Stimme nur klipp und klar das Nötigste. Und das Geheimnis um den Namen des Dirigenten, der nächstes Jahr den „Tannhäuser“ übernehmen wird, lüftete sie noch: Es ist der Russe Valery Gergiev.

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