„Ab 16“ steht warnend auf einem weißen Zettel am Eingang zur Galerie Schrade. Die Altersbeschränkung sei nötig, erklärt Tobias Schrade. Denn das Thema, das er und seine Partnerin Martina Strilic für ihre aktuelle Sommerausstellung wählten, lautet: „Nackt“. Und Akte sind in der Kunstgeschichte zwar gesetzt, in anderen Lebensbereichen gelten Nacktbilder aber als nicht jugendfrei. Dabei ist das, was in der Gruppenausstellung zu sehen ist, keineswegs pornografieverdächtig. Acht Künstler setzen sich auf ganz unterschiedliche Art mit dem entblößten menschlichen Körper auseinander: in Öl oder Aquarell, in bearbeiteten Fotografien, als Plastik und Skulptur.

Zunächst ins Auge fallen sieben gut zwei Meter hohe, schmale Stelen des oberpfälzischen Holzbildhauers Franz Weidinger. Erst mit der Motosäge grob aus Hartholzstämmen gehauen, münden sie jeweils in faszinierend zarte, aber dennoch detailliert Haltung und Gesten abbildende Figuren. Annette Merrild bläht Bondage-Fotos mithilfe von Klebstoff ins Dreidimensionale. Bettina van Haaren kombiniert extrem naturalistische Details mit klinischem Weiß. Pavel Feinstein und Lars Möller malen Akte relativ konventionell, während der Äthiopier Tesfaye Urgessa seine flächig in expressiven Ölfarben fixierten Personen nicht nur von Kleidung, sondern gleich auch von ihrer Haut zu befreien scheint – und ihnen so eine empathisch-sozialkritische Seite abgewinnt.

Andy Doblers Gipsplastiken könnten als anrüchig verstanden werden, wären die überdimensionalen Mischformen aus primären Geschlechtsmerkmalen nicht gar so wild kombiniert. Geerdeter, aber ebenso faszinierend sind Thomas Putzes Holz- und Materialmix-Installationen, die im enthemmten Tanz mit Unterhose gipfeln.

Info „Nackt“ bis 2. September in der Galerie Tobias Schrade, Auf der Insel 2, im Ulmer Fischerviertel, geöffnet: Di-Fr 13-18, Sa 11-15 Uhr.