Blues Shawn Jones: Begeisterung im Charivari

Ulm / Christoph A. Schmidberger 23.09.2017

Manchmal findet der Südkalifornier Shawn Jones die Wahrheit auf dem „Bottom Of The Bottle“, so der Name des höllisch groovenden Blues, der im Ulmer Charivari für Kopfnicken im Publikum sorgte. Freilich nur zu künstlerischen Zwecken, denn der beim Auftritt nur Wasser trinkende Gitarrist ist voll im Aufwärtstrend: Sein neues deutsches Label Zyx Music hat im September erst sein brandneues Studioalbum „Pain Passed Down“ herausgebracht. Mit dem im Gepäck gibt Jones jetzt sein Tourdebüt in Deutschland.

In den USA ist Jones kein Unbekannter: Kaum ein Club, in dem er noch nicht seine bluesbetonte Version von Roots Rock und Americana präsentiert hat – auch an der Seite von Szene-Größen wie Robert Cray, Derek Trucks oder Waylon Jennings. Aufmerksame Zuschauer kennen seinen Song „Invincible Me“ aus der 100. Folge von „Dawsons Creek“ – Ergebnis einer engagierten „work ethic“, die ihn nie stillstehen lässt.

Zwar musste der von Hank Williams und Hendrix beeinflusste Jones zeitweise als Barista sein Geld verdienen, aber seit einigen Jahren lebt er von und für die Musik. Die Leidenschaft und Authentizität merkte man ihm an, als er schweißgebadet, ja geradezu manisch  seine E-Gitarre bearbeitete. E-Bassist Sam Bolle und Drummer Gianpaolo Feola mit seiner überdimensionierten Bass-Drum ließen die Musik oft wie eine monströse Dampfwalze über das spärlich erschienene Publikum hinwegwalzen. Dabei beherrscht Jones auch die leisen Töne wie in „Sweet Victoria“ mit ganz viel Gefühl in der Stimme. Eine Sehnsucht, die die Insassen der JVA Limburg wahrscheinlich recht gut nachvollziehen konnten, als er dort kürzlich wie Johnny Cash einen „prison gig“ spielte.

Das Ulmer Publikum jedenfalls zeigte sich mehr als begeistert. Das ist in der Tat eine neue Erfahrung für Jones, der in den US-Clubs auf viel Gleichgültigkeit stieß.