Angehört Schöner Schrecken

Konstantin Gropper ist Get Well Soon.
Konstantin Gropper ist Get Well Soon. © Foto: Britta Pedersen/dpa
Ulm / Udo Eberl 27.06.2018

Eine unverkennbare Stimme, eine deutlich erkennbare kompositorische Handschrift mit einer eben solchen melodischen Linienführung, ein eigener Stil eben. Da besteht immer auch die Gefahr, dass man sich verschleißt. Konstantin Gropper, der nicht weniger als Get Well Soon ist, hat sich vorbeugend selbst ein Rezept ausgeschrieben: vor jedem Album immer wieder die Festplatte formatieren. Neuanfang, soweit möglich. Und auf seinem jüngsten Album „The Horror“ (Caroline/ Universal) beweist er einmal mehr, dass auch in der aktuellen Streaming-Ära Konzeptalben ihren wichtigen Platz haben können – im besten Fall im Plattenregal auf Vinyl.

Um den Horror in all seinen Grau- und Schwarztönen geht es dem Wahl-Mannheimer genauso wie um menschliche Untiefen in unsicheren Zeiten und Albträume zwischen Schlaf und Realität. In „The Only Thing We Have to Fear“ wird sogar der AfD-Horror und das böse Spiel mit der Angst zum Thema. Aber auch die Lust an der Furcht darf sein.

Textlich leichte Kost darf man von dem jetzt 35-Jährigen seit jeher nicht erwarten. Dagegen swingen seine Arrangements bisweilen geradezu federleicht. Im orchestralen Format hatte man Get Well Soon ja durchaus bereits überwältigend und intensiv erleben dürfen. Nun schüttet Pop-Komponist Gropper, der durch Filmmusik und musikalische Grenzauslotungen noch sattelfester geworden ist, das komplette Füllhorn aus.

In den Arrangements auf den Spuren eines Frank Sinatra werden Bläser, Chöre und Streicher geschichtet, Harfen und Querflöten begleiten das Grauen, so dass man sich diesem „Night­mare“-Vergnügen voll und ganz hingeben will. Besonders im Big-Band-Format spielt Gropper auf der ganz großen Klaviatur und mit Stücken wie dem an Ideenreichtum geradezu überquellenden „(How to Stay) Middle Class“, und im dramatischen „Future Ruins pt. 2“ weitet er den eigenen musikalischen Kosmos noch einmal gewaltig.

Zudem werden noch Field Recordings gekonnt gesetzt. Nach mehr als zehn Jahren der Höhenflüge und musikalischen Wundertaten, die Get Well Soon von Beginn an zu einer europaweit geschätzten Band werden ließen, bündelt sich nun auf „The Horror“ alles, was Konstantin Groppers Arbeit auszeichnet und einzigartig macht. Das ist mehr als nur ein bisschen Horrorshow.

Info Am 28. Oktober kann man die Get Well Soon Big Band mit „The Grand Horrorshow“ live im Theaterhaus Stuttgart erleben.

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