Kunst Schön und gut

In der „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ um 1475 hat Sandro Botticelli diverse Medici verewigt – und wohl auch sich selbst: ganz rechts im Mantel.
In der „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ um 1475 hat Sandro Botticelli diverse Medici verewigt – und wohl auch sich selbst: ganz rechts im Mantel. © Foto: Sandro Botticellis „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ um 1475. Foto: Florenz, Gabinetto Fotografico delle Gallerie degli Uffizi
München / Lena Grundhuber 02.11.2018

Er selbst steht rechts im Bild – und wie er da steht! Mit stolzem Blick und arroganter Geste präsentiert sich der junge Mann im ockerfarbenen Mantel. Wenn es sich dabei wirklich, wie man annimmt, um den Maler selbst handelt, hat er ja auch Grund dazu. Sandro Botticelli ist um die 30, als er sich in seine „Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige“ hinein malt. 1475 hat er den Auftrag für das Andachtsbild bekommen, und er ergreift die Gelegenheit zu zeigen, was er kann.

Und wer er ist: ein Maler, der von einem Parteigänger der mächtigen Medici angeheuert wird. Ein Künstler, der in Florenz Erfolg hat. Mehr war kaum zu wollen in der Renaissance, als die toskanische Stadt „das Maß aller Dinge“ war, wie es die Alte Pinakothek München angemessen unbescheiden formuliert.

Allerdings, auch im ewigen Möchtegern-Florenz an der Isar hat man Anlass, stolz zu sein. Dank Ludwig I. beherbergt die Gemäldegalerie selbst Hauptwerke der Florentiner, die nun in „Florenz und seine Maler. Von Giotto bis Leonardo da Vinci“, der ersten großen Sonderausstellung nach der Renovierung, zu sehen sind, angereichert durch Leihgaben wie besagte „Anbetung“ von Botticelli, die die Uffizien beigesteuert haben. Nachdem der eigene Bestand jüngst auch Gegenstand eines Forschungsprojekts der Pinakothek war, erfahren die Besucher schon zu Beginn der Schau viel Wissenswertes über die Machart der berühmten Kunstwerke. Unter anderem wird erklärt, welch hohe Bedeutung der Zeichnung beigemessen wurde und welchen Anteil der Übergang von der Tempera- zur Ölmalerei an der Entwicklung hatte. Die viel langsamer trocknende Ölfarbe erlaubt es, Farben ineinander zu mischen, ermöglicht also fließendere Übergänge, größere Lebendigkeit und mehr Plastizität.

Der Besucher geht so bereits geschulten Auges an die Bilder heran und wird den Weg der Schau auch weiterhin bereitwillig mitvollziehen. Die nämlich ist didaktisch außerordentlich gut aufbereitet, ohne dabei mit Betulichkeit oder aufgepropftem Medieneinsatz zu nerven.

Von Goldgrund zu Landschaft

Behutsam führt die Ausstellung aus den Goldgründen des Spätmittelalters in die Architekturen der Renaissance hinüber. Die meisten Gemälde der mehr als 90 Maler, die im 15. Jahrhundert am Arno arbeiteten, wurden immer noch als Andachts- und Altarbilder geschaffen.

Ihre Gestaltung aber – das kann man wunderbar mitvollziehen – wird freier. Aus den Darstellungen von Maria und Jesus entwickeln sich allgemeingültig innige Szenen von Mutter und Kind. Filippo Lippis Münchner „Maria mit Kind“ sitzt um 1460/65 nicht mehr vor Gold, sondern vor einer gebirgigen Landschaft. Die Schau beginnt natürlich bei Giotto im 14. Jahrhundert, um über Exkurse zur Bildhauerei und das in Florenz so beliebte David-Motiv als Symbol der wehrhaften kleinen Republik in der Werkstatt des Andrea del Verrocchio und damit bei den Promis anzukommen: Die besten Schüler des Meisters waren Lorenzo di Credi und Leonardo da Vinci; dessen Renommierstück „Madonna mit der Nelke“ gehört ebenfalls zur Münchner Sammlung.

Neben den Prachtgemälden und den Porträts, in denen sich auch die Damen immer mehr aus dem strengen Profil emanzipieren, sollte man die Zeichnungen nicht aus den Augen verlieren. Es lohnt, genau zuzusehen, wie Fra Angelico das Antlitz eines grübelnden Geistlichen vom Licht streifen lässt, wie Ghiberti das Armheben eines Schergen übt, wie Credi in Nachahmung Leonardos ein Gewand in Falten legt.

Denn dann ist es auch schon vorbei mit der Herrlichkeit. Nach dem Tod des Lorenzo il Magnifico und dem Auftritt des Predigers Savonarola malt Filippino Lippi seinen Johannes und die Maria Magdalena als ausgemergelte Schreckensgestalten. Da möchte man gleich wieder umkehren, zurück zur Geburt der Renaissance in Florenz.

Rund 120 Werke aus der Zeit der Medici

Die Ausstellung „Florenz und seine Maler: Von Giotto bis Leonardo da Vinci“ in der Alten Pinakothek München dauert noch bis zum 27. Januar. Sie zeigt rund 120 Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen aus der Zeit der Medici.

Die Öffnungszeiten Die Schau ist jeweils Dienstag und Mittwoch von 10 bis 21 Uhr und Donnerstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt für die Sonderausstellung beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 Euro.

Das Buch Zur Ausstellung ist ein Katalog in einer deutschen und einer englischen Ausgabe erschienen, herausgegeben von Kurator Andreas Schumacher (Hirmer Verlag, 384 Seiten, 34.90 Euro, mehr als 200 Abbildungen).

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel