Filderstadt/Garmisch-Partenkirchen Satanarchäolügenialkohöllisch

Die unheimlichen "grauen Herren" haben schon viele Kinder bis in ihre Träume verfolgt. In Michael Endes Roman "Momo" stehlen die Anzugträger den Menschen die Zeit. Foto: epd
Die unheimlichen "grauen Herren" haben schon viele Kinder bis in ihre Träume verfolgt. In Michael Endes Roman "Momo" stehlen die Anzugträger den Menschen die Zeit. Foto: epd
Filderstadt/Garmisch-Partenkirchen / ASTRID KLAMMT, EPD 18.08.2012
Die Stadt Garmisch pflegt das Erbe ihres berühmten Sohnes Michael Ende. Dort führte seine Mutter einen Laden - wie Frau Waas in "Jim Knopf". Dort begann Michael Ende auch, Geschichten zu schreiben.

Die Berge waren seit jeher ein Quell für Sagen und Märchen. Am Fuße von Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, liegt die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Dort wurde 1929 Michael Ende geboren, der am 28. August 1995 im baden-württembergischen Filderstadt-Bonlanden gestorben ist.

Im Kurhaus Garmisch erinnert seit fünf Jahren eine Dauerausstellung an den Schriftsteller, der für seine fantastischen und zauberhaften Märchen-Romane bekannt wurde - darunter "Momo", "Jim Knopf", "Die unendliche Geschichte" und "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch".

"2004 gab es eine erste Schau zu Michael Ende, aus der die Dauerausstellung entstand", sagt Florian Zwipf. Er ist im Vorstand des Vereins "Phantastische Gesellschaft e.V.", die sich zum Ziel gesetzt hat, das geistige, kulturelle und literarische Erbe von Michael Ende zu pflegen. Die Schau informiert deshalb nicht nur über die Werke, sondern auch über das Leben des Schriftstellers, das in Garmisch begann.

Dort führte die Saarländerin Luise Bartholomä 1925 einen Laden für Spitzen und Edelsteine. An einem regnerischen Tag des Jahres 1928 flüchtete sich ein Urlauber in das Geschäft: Der surrealistische Maler Edgar Ende. Das Paar heiratete, im November 1929 wurde ihr Sohn geboren. Zwei Jahre später zog die Familie nach München. Ab 1943 verbrachte Michael Ende noch einmal zwei Kriegsjahre in seinem Geburtsort. Und begann, Gedichte und Erzählungen zu schreiben.

1990 pflanzte Michael Ende eine Linde im Garmischer Kurpark, der schließlich vor drei Jahren in Michael-Ende-Kurpark umbenannt wurde. Fünf Jahre zuvor hatte man den Platz vor der Spielbank in der Garmischer Fußgängerzone nach ihm benannt. Eine Gedenktafel erinnert an sein Geburtshaus.

Bis heute bei Kindern beliebt sind die Geschichten von Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. Die Ausstellung präsentiert Marionetten der Augsburger Puppenkiste, Szenenbilder und Original-Illustrationen des Kinderbuches, das 1960 im Thienemann-Verlag erschienen ist. Auch ein Modell der Insel "Lummerland" ist aufgebaut. Und was wäre Jim Knopf ohne das Lummerlandlied "Eine Insel mit zwei Bergen"? Es ertönt, wenn Dampflok Emma auf der Modellinsel eine Runde dreht.

Im angrenzenden "Momo"-Themenraum ist die Sitzreihe eines Amphitheaters nachgebaut. In der Ruine eines solchen Theaters lebte das Mädchen "Momo" in dem 1973 veröffentlichten Märchen-Roman. Der gelb gestrichene Raum ist mit grauem Teppichboden ausgelegt. Grau, wie die Anzüge der "Grauen Herren", die in der Geschichte den Menschen die Zeit stehlen. Es sind Puppen einer Aufführung des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden ausgestellt. Auch Ausschnitte aus dem Kinofilm "Momo" werden gezeigt.

"Das Bergwerk der Bilder" ist ein Schauplatz des Märchen-Romans "Die unendliche Geschichte". An den Wänden hängen Bilder von Künstlerfreunden Michael Endes. Viele haben sich von den fantastischen Geschichten inspirieren lassen. Beim "Traumfresserchen" sind Stabpuppen aus dem Singspiel zu sehen. Der "Spiegel im Spiegel" heißt eine Sammlung von 30 Kurzgeschichten, die Michael Ende seinem Vater gewidmet hat. Im gleichnamigen Raum steht das Leben und Werk von Edgar Ende im Mittelpunkt.

Wer in den fantastischen Geschichten von Michael Ende schmökern will, sollte in den "Himmel voller Bücher" gehen. Dort hängen die Werke an langen Drähten von der Decke. Und im Medienraum können Interviews mit Klassenkameraden und Jugendfreunden des Schriftstellers gehört werden. "Durch ,Die unendliche Geschichte habe ich begonnen, Bücher zu lesen", hat ein Besucher in das Gästebuch geschrieben.

Im kommenden Jahr wird groß gefeiert: "Im August 2013 soll es eine Michael-Ende-Woche geben, vor dem Garmisch-Partenkirchner Kultursommer", sagt Florian Zwipf. Anlass: Vor 40 Jahren erschien Endes Roman "Momo".

Info Michael-Ende-Ausstellung im Kurhaus Garmisch, Fürstenstraße 14. Öffnungszeiten: Di-So, 11-18 Uhr. Eintritt: 3 Euro, Kinder und Jugendliche: 1 Euro. Internet: www.gapa.de

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