Krimi Sagenhafte Bretagne

Dupins siebter Fall spielt im Zauberwald.
Dupins siebter Fall spielt im Zauberwald. © Foto: Philippe MANGUIN Photographies/G
Ulm / Jürgen Kanold 27.06.2018

Wenn Kommissar Dupin auf der Terrasse des „Ar Men Du“ auf den Glénan-Inseln oder im „Ty Mad“ in Douarnenez sitzt und nicht nur auf den Atlantik blickt, sondern im Restaurant aufs Essen, weiß der Autor wirklich, wie’s schmeckt. Auch damit hat Jean-Luc Bannalec, besser gesagt: Jörg Bong mit seinen gut recherchierten und stimmungsvoll erzählten Bretagne-Krimis einen wahren Tourismus-Boom ausgelöst. Der Autor erhielt für seine Verdienste um die Region schon den Titel eines „Bretagne-Mäzens“, und die Besitzer der in den Romanen beschriebenen Restaurants haben mit ihm ein „Bretonisches Kochbuch“ herausgegeben – mit garantiert ungefährlichen Rezepten.

Damit aber der von Paris nach Concarneau strafversetzte, liebenswert eigenwillige Georges Dupin – und damit der Leser und Tourist – die ganze Bretagne kennenlernen kann, weitet Bannalec mittlerweile trickreich seine geografischen Szenarien aus. In Dupins sechstem Fall, „Bretonisches Leuchten“, schickt der Autor seinen Kommissar mit seiner Freundin Claire in den Urlaub: in den Norden, an die Rosa Granitküste bei Trégastel. Als der sich dort tödlich langweilende Dupin endlich eine Leiche findet, kommt er allerdings dem lokalen Kommissar in die Quere und handelt sich mächtig Ärger ein, denn er darf im Departement Côtes-d‘Armor ja nicht ermitteln.

Bretonische Geheimnisse

Im neuen, dem siebten Banalec-Krimi, „Bretonische Geheimnisse“, geht die Reise in den sagenhaften Fôret de Brocéliande, prosaischer ausgedrückt: den Fôret de Paimpont, den größten Wald der Bretagne, den „mythischsten aller mythischen Orte. Die Legende aller Legenden“. Es ist das Land des sagenhaften Königs Artus und seiner Tafelrunde. Verwunschene Schlösser und Seen. Merlin, Lancelot und Iwein. Also da gibt‘s wieder viel zu erzählen über Land, Leute und Geschichte im äußerst beliebten Krimi-Reiseführer. Und das Problem, dass Paimpont zum Departement Ille-et-Vilaine gehört, löst Bannalec simpel: Das Commissariat de Police Concarneau aus dem Finistère macht einen Betriebsausflug!

So sind gleich alle dabei: die Inspektoren Riwal und Kadeg und auch Nolwenn, die alleswissende Assistentin. Im märchenhaften „Val sans retour“ kommen sie an, und selbstverständlich ist der Chef in seinem Citroën auf dem Weg dorthin zweimal geblitzt worden. Sie haben sich im Hotel Grée des Landes in La Gacilly einquartiert, das natürlich wirklich existiert und jetzt auch zu Bannalecs viel genutzter Hotel- und Restaurantliste gehört.

Aber zunächst muss Dupin noch seinem Freund Jean Odinot von der Pariser Polizei einen kleinen Gefallen tun und einen Zeugen, der in der Gegend wohnt, zu einem ungeklärten Fall befragen. Doch alles kommt, man ahnt es, ganz anders: Denn Docteur Fabien Cadiou liegt in seinem Haus in einer gewaltigen Blutlache, ist tot, niedergeschossen. Und zwar schon auf Seite 22. Bannalec wird diesmal schnell konkret, dieser siebte Fall ist dem Autor erzählerisch besonders gut gelungen, dieser Krimi besitzt neben viel bretonischem Lokalkolorit auch Tempo und Dramatik.

Auf Betriebsausflug

„So ein Scheiß“, entfährt es Dupin am Tatort. Er hat nach den Erfahrungen von Trégastel keine Lust, wieder in fremdem Revier zu wildern und sich eine Dienstaufsichtsbeschwerde einzuhandeln. Zuständig ist die Präfektur in Rennes. Doch es gibt eine schöne Pointe. Dupins Freund Odinot organisiert nämlich beim Innenminister, dass er im Auftrag der Police nationale als Sonderermittler eingesetzt wird, mit allen Vollmachten, was im zentralistischen Frankreich viel bedeutet. Das lässt auch Dupins aufgeblasenen Präfekten Loquemariaquer vor Stolz untertänigst in die Knie gehen.

Im Artus-Land steht, auch keine Überraschung, die Suche nach dem heiligen Gral im Mittelpunkt. Cadiou ist Direktor des Centre de l’Imaginaire Arthurien – und bald lichtet sich die Tafelrunde einer internationalen Konferenz mit Artus-Forschern weiter; Paul Picard, Mitteltalterspezialist, ist der nächste Ermordete.

Viel zu tun also für Dupin, so viel, dass er nach einer nervenaufreibenden Nacht sein geliebtes  Entrecôte zum Frühstück essen muss. In seinem Stammlokal Amiral aber genießt er zum Happy End dann Grande Cocotte.

Der deutsche Autor

Pseudonym Hinter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec verbirgt sich der deutsche Autor Jörg Bong. Der 52-Jährige ist Programmgeschäftsführer des S. Fischer Verlags und hat ein Haus im Finistère. Seit 2012 veröffentlicht er seine bretonischen Krimis – allerdings bei Kiepenheuer & Witsch. Fast drei Millionen Bücher hat Bong als Bannalec in Deutschland verkauft. Und seit 2014 finden auch die TV-Filme mit Pasquale Aleardi als Georges Dupin ein Millionenpublikum. In den vergangenen sechs Jahren jedenfalls stieg die Zahl deutscher Touristen in der Bretagne von 550 000 auf 820 000. jük/afp

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