Bands Rock-Aufsteiger Van Holzen: 2018 neues Album

Ulm / Claudia Reicherter 25.01.2018
Debüt-Album, Titelstory, Sziget, Headliner-Tour: Für Van Holzen war 2017 „überwältigend“. Und 2018 geht genauso weiter.

An der rostroten Wand steht in Gold der Bandname: Van Holzen. Etwa die Hälfte des geräumigen Proberaums in einem ehemaligen Schweinestall am Stadtrand von Ulm belegen zig schwarze Boxen und Koffer, markiert mit den Initialen „VH“ in pinkem Tape – und dem einen oder anderen Stinkefinger-Sticker. Auf einem Tisch neben dem Laptop harrt eine halbvolle Flasche spanischen Weißweins der Entleerung. Seit sie Mitte Dezember die Konzertsaison abschloss, sei die Band „im Album-­Schreibmodus“, sagt Daniel Kotitschke. Und als sie sich hier am 1. Januar zum Songschreiben trafen, „brauchten wir was zum Anstoßen“, fügt Florian Kiesling hinzu.

Nachvollziehbar. Doch bei den Musikern handelt sich’s nicht um Herren um die 50, die schon das halbe Leben mit Abfeiern zugebracht haben und den Alkohol nicht mehr so vertragen. Sänger und Gitarrist Flo und Bassist Jonas Schramm sind 18, Drummer Daniel ist 17 Jahre alt. Da mag man über derlei an den Tag gelegten Neujahrs-Eifer doch staunen.

Spaß ersetzt die Disziplin

So sind sie, die drei von Van Holzen. Wer sie kennt, seit sie mit neun Jahren als Rockfish erstmals auftraten, staunt nicht zum ersten Mal über so viel Reife und Professionalität. „Zum Glück braucht’s bei uns gar keine Disziplin, weil wir halt Spaß dran haben“, meint Flo trocken.

Dass sich das auszahlt, hat das vergangene Jahr gezeigt. 2017 brachte Flo, Daniel und Jonas nicht nur Abi beziehungsweise Lehrabschluss und den beiden Volljährigen das Recht zu wählen und ohne Eltern Auto zu fahren. Sie schafften es im März mit ihrer ersten Platte (nach einer selbstbetitelten EP) zudem in die Top 50 der deutschen Charts, aufs Cover des Musikmagazins „Visions“, an die Spitze von dessen Lesercharts und zu einigen der größten europäischen Open-­Air-­Fes­ti­vals: Highfield, FM 4 Frequency und Sziget in Budapest.

Das Debütalbum „Anomalie“ wurde „als gut befunden“, sagt Florian Kiesling bescheiden. Anders gesagt: Van Holzen katapultierten sich mit den zwölf Stücken zwischen Tool-Sound und Biffy-Clyro-Intensität auf den Rang der allgemein anerkannten Nachwuchshoffnung deutschsprachiger Rock­­musik.

Die „Anomalie Release“-Tour startete im März im Ulmer Club Schilli. Im Herbst folgte die erste große Headliner-Tour, nur für ein paar Wochen zu Jonas’ Abschlussprüfungen unterbrochen, die sie unter anderem nach Kiew und in 21 Clubs und Hallen zwischen Würzburg und Weiden führte – mit Abschluss im Stuttgarter Keller Klub.

„Schon krass, da spielten wir auch mal sechs Konzerte am Stück“, sagt Flo. „Manchmal brauchte ich den Tourplan, um zu wissen, wo wir grade sind“, erzählt Dani. Statt für Vorbilder wie Heißkalt oder Billy Talent den Anheizer zu geben, haben sie jetzt selbst Nachwuchsbands wie Brett aus Hamburg im Vorprogramm.

Alles in allem also ein „überwältigendes“ Jahr: „Erstes Album, ein toller Festivalsommer und eine eigene Tour. Was will man mehr?“, schreiben sie auf der Van-Holzen-Website.

2018 beginnen die drei Ulmer, die zurzeit gern Kendrick Lamar, King Krule und King Gizzard & The Lizard Wizard hören, als hauptberufliche „Holzer“, wollen im Sommer „gezielt coole Festivals spielen“ und im Herbst die zweite Platte vorlegen. Die werde ganz anders klingen als „Anomalie“, „mit prächtigeren Melodien“, kündigt Flo an. 17 Songs sind fertig, bei 25 geht’s zum Aufnehmen ins Studio. Dazu plant Dani schon das Artwork und sammelt Video-Ideen. Dann wollen Van Holzen erneut auf Tour gehen. Aber erst führt sie „Anomalie“ von 31. Januar bis April noch nach Österreich, in die Schweiz, nach Freiburg und Mainz.

Der lange Weg bis zu „Anomalie“

Werdegang 2009 gründeten Florian Kiesling und Jonas Schramm (Jahrgang 1999) mit Jonas’ Bruder Niki die Punk-Rock-Band Rockfish. 2012 übernahm Daniel Kotitschke (Jahrgang 2000) die Drums. Als Gewinner eines Bandwettbewerbs standen sie 2014 schon auf der Bühne des Southside-­Festivals und spielten nach einem ­Musik-Workshop im Haus der Berliner Festspiele. 2015 benannten sie sich in Van Holzen um und erhielten einen Förderpreis „Junge Ulmer Kunst“.

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