Die erste Premiere des langjährigen Ulmer Ballettchefs Roberto Scafati an seinem neuen Wirkungsort in Trier wurde von Publikum und Presse hochgelobt. Derzeit bereitet der 53-Jährige mit der Compagnie, die ihm fast komplett dorthin gefolgt ist, schon die zweite Choreografie vor. Seine Halbjahresbilanz fällt am Telefon rundum positiv aus.

Herr Scafati, wie geht es Ihnen nach fast sechs Monaten in Trier?

Roberto Scafati: Sehr gut. Es ist ein paar Grad wärmer hier als in Ulm, die Stadt ist auch klein, aber mit der Nähe zu Belgien, Luxemburg. Frankreich fühlt man sich so richtig im Zentrum Europas. Und es läuft bestens. Das schlägt gerade umso höhere Wellen, als es davor eben nicht so gut lief. Das Theater Trier verkauft im Moment rund 3000 Tickets pro Woche.

Da hat der Ulmer Publikumsliebling ja eingeschlagen wie eine Bombe?

(lacht) Das liegt nicht allein an mir! Steigerungen gab es auch in der Opern-Sparte. Die Leute gingen einfach nicht mehr ins Theater. Jetzt gibt es Zuschauer, die haben mein erstes Stück, „Zorbas“, auf Musik von Mikis Theodorakis schon vier Mal angeschaut. Wir müssen einen Zusatztermin anbieten, fantastisch!

Fühlt man sich als Römer in der einstigen Römerstadt besonders wohl?

Es ist eine schöne Stadt. Nicht nur an der berühmten Porta Nigra, auch am Amphitheater und an der Therme merkt man, dass die Römer da waren. Besonders wohl fühle ich mich aber, weil mir hier eine Managerin und Dramaturgin zur Seite steht. Das ist großartig, so kann ich mich wirklich auf meinen Job konzentrieren, den Tanz und das Choreografieren.

Denken Sie trotzdem noch an Ulm?

Ich habe 24 Jahre in Ulm gelebt, das wird immer in meinem Herzen bleiben.

Bauarbeiten konnten Sie mit Ihrem Wegzug nicht entkommen: Auch in Trier steht eine Sanierung an.

Ja, aber nicht während des laufenden Betriebs, sondern es wird eine Interims-Spielstätte geben.

Was steht als Nächstes an?

Am 22. Februar folgt meine zweite Premiere: „Die Reise in die Hoffnung“, auf neu komponierte Musik. Das Stück handelt von Refugees, aber zugleich von allen Menschen. Wir sind ja alle Reisende, die Compagnie ganz besonders.