Pop Roadstring Army überzeugt im Sauschdall

Ulm / Christoph Alexander Schmidberger 13.02.2018

Wenn das mal keine Erfolgsgeschichte ist – von der Ulmer Fußgängerzone ab in die Clubs: Vor zwei Jahren konnten sich Schaulustige noch für lau mit Lagerfeuergitarre gespielte Coverversionen von Songs der Foo Fighters oder Coldplay anhören, mittlerweile spielen Roadstring Army um die Ulmer Studenten Sebastian Seliger (Gitarre/Gesang) und Konrad Bizer (Gitarre/Gesang) in Bandbesetzung kostenpflichtige Konzerte mit Eigenkompositionen – und das Publikum kommt.

Weit mehr als 50 Besucher füllten den Sauschdall buchstäblich von vorne bis hinten aus. Spätestens als sich in den vorderen Reihen Fans laut Gehör verschafften, kam richtig gute Konzertstimmung auf. Die trug dann auch ganz gut durch das erste, schon recht ordentliche Set, bevor nach der Pause richtig die Post abging.

Das ist die einzige Kritik: Songs wie das von einer Kalifornienreise inspirierte „Cali“, zu dem man ein Musikvideo in La California in Italien drehte, sind ja durchaus gut hörbar, klingen in ihrer Machart aber zu sehr nach zeitgenössischem US-amerikanischem Formatradio, um wirklich aufzufallen. Diese Art Songs tummelten sich alle im ersten Set.

Ihr Talent spielten die Vier in Titeln wie dem an die Counting Crows erinnernden „Sailing“ oder „Moongate“ aus. Ersteres fing recht getragen an, um dann mit Tempowechseln richtig interessant zu werden, Zweiteres strahlte nicht nur durch den Einsatz eines Holzsaxophons eine Energie aus wie bessere Springsteen-Aufnahmen. Das lag vor allem an dem gesteigerten Anteil an Blues, der die Songs des zweiten Sets zu einem Roots Rock made in Ulm werden ließ. In der Tat überzeugt Seliger mit einer Stimme „rauh wie das Ulmer Kopfsteinpflaster“, wenn auch Bizer seine Stimme nicht zu verstecken braucht.

Zugabe nach der Zugabe

Im fast rein akustischen Arrangement mit zwei Gitarren, E-Bass (Matthias Kost) und kleinem Schlagzeugset (Shane Gewerth) kam die natürliche Urwüchsigkeit – schön durch die aus Holz gefertigte Bühnendeko unterstrichen – optimal zur Geltung. So wohl sich Seliger mit seinem neuen Bandkorsett auch mittlerweile fühlt, ganz ohne Straßenmusik geht es eben auch nicht. Deshalb gab es zwischendurch auch eine kleine Reminiszenz an vergangene Zeiten: nur Seliger und Bizer mit Gitarren und Coversongs.

Die Gäste im Sauschdall feierten ihre Helden derart intensiv, dass die nach dem regulären Zugabenteil nochmals den Backstagebereich verließen, um den Schmachtfetzen „Sally“ aus dem ersten Set ein zweites Mal zu spielen. Zu der Erfolgsgeschichte gehört dringend ein Studioalbum!