Rockmusik Ringlstetter im Ulmer Zelt: Laut und charmant

Hannes Ringlstetter rockte das Zelt.
Hannes Ringlstetter rockte das Zelt. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Edwin Ruschitzka 06.07.2018

Da steht er nun im weißen Unterhemd Marke Schießer Feinripp  zum Tourneestart auf der Bühne im nicht ganz ausverkauften Zelt, streckt den Bauch ins Publikum und präsentiert eigenen Worten nach seinen „mittleren Ring“. Die Rapper-Kappe haben inzwischen auch alle sieben Mitglieder seiner Band auf dem Kopf. „Are you ready for a HipHop?“, fragt er. Und schon geht’s los mit dem Titel, der seinem neuen Album auch den Namen gegeben hat: „Fürchtet Euch nicht!“ Auf niederbayerisch heißt das natürlich: „Scheißts Eich net ei und duadts eich net owe.“

Ja, Hannes Ringlstetter ist ein wahrer Allroundkünstler. Er ist Kabarettist, Komiker, Schauspieler, Late-Night-Talker im BR-Fernsehen und auch Musiker. Als Letzterer rappt, steppt und rockt er mit seiner siebenköpfigen Ringlstetter-Band auf der Bühne, dass es kracht. Und das mitunter im wahrsten Sinn des Wortes, nämlich in den Ohren: Abgesehen davon, dass des Niederbayerischen hierzulande nicht alle mächtig sind, ist das Ganze zuweilen auch ziemlich laut und etwas übersteuert, so dass die Texte ein wenig untergehen. Schade.

Etwas einfacher hat es diesbezüglich vielleicht die kleine Gruppe aus Straubing, die sich im Zelt zu erkennen gibt und offenbar extra angereist ist. „Da spielen wir morgen“, sagt er süffisant, um nachzuschieben. „So tickt meine Heimat.“ Die Lacher hat er damit auf seiner Seite.

Hannes Ringlstetter kennen die meisten  weniger als Musiker, sondern mehr als überaus charmanten Plauderer. Diese Stärke kommt immer dann zum Zug, wenn er seine Lieder anmoderiert. Da erzählt er von seiner ungarischen Putzfrau Goschka, die mehr dreckig als sauber macht. Dass er ein leidenschaftlicher Beerdigungsministrant war, auch des Totengräbers wegen, der den Sarg mitunter ins Loch kippte und volltrunken von sich gab: „Der is eh scho hi.“ Sein Bruder, so erzählt er, habe in der Kirche den Weihrauchkessel derart intensiv geschwungen, dass ihm schlecht geworden ist und er auf den Altar gekotzt hat. Den Vorfall soll er später als Rebellion gegen die Kirche verkauft haben.

Man könnte Ringlstetter singender und parlierender Weise stundenlang zuhören, aber nach zwei Stunden und zwei Zugaben ist Schluss. Bleibt noch zu erwähnen, dass im Vorprogramm eine junge und nicht ganz vollständige Formation mit dem Namen „Pam Pam Ida“ aufgetreten ist. Ihre Popsongs sind irgendwo zwischen Blasmusik-Techno und LaBrassBanda angesiedelt. Wer die Gruppe in voller Besetzung ein ganzes Konzert lang kennenlernen will, hat dazu am 17. Januar im Roxy Gelegenheit.

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