Mehr als fünf Jahrzehnte bestimmte er die Richtung. Beeinflusst von Bertolt Brecht und zuvor Max Reinhardt, räumte Brook mit dem Konzept des passiven bürgerlichen Theaters auf. Realismus statt Romantik, Aktion statt Rhetorik waren seine Devisen. Noch immer ist der Wahl-Pariser Brook, der heute 90 Jahre alt wird, hinter den Kulissen des Pariser Theaters Les Bouffes du Nord aktiv.

Für jeden Menschen gehe es in der heutigen Zeit darum, die "Augenblicke des Lebens" in vollen Zügen zu genießen, sagte er der "Financial Times". Das Theater habe dabei eine Rolle zu spielen. "Mein einziges Ziel ist, dass Menschen, die ein oder zwei Stunden zusammen verbringen, das Theater mit mehr Zuversicht in das Leben verlassen als sie hereingekommen sind." Für Brook ist die ganze Welt ein Theater. "Ich kann einfach jeden leeren Raum nehmen und ihn Bühne nennen", lautet einer seiner markanten Sätze, niedergeschrieben in seinem wegweisenden Buch "Der leere Raum" ("The Empty Space") von 1968. Theater, das jeder ohne Worte verstehen konnte, nur durch Ausdruck, war lange Zeit Brooks Ziel. Das Theater müsse seine eigene, "interkulturelle Sprache" finden.

Brook wurde am 21. März 1925 als Sohn jüdischer Wissenschaftler russischer Abstammung in London geboren. Schon 1947 brachte er in Stratford-upon-Avon "Romeo und Julia" auf die Bühne. 1962 wurde er neben Peter Hall einer der Direktoren der Royal Shakespeare Company. Seine Verfilmung von "Herr der Fliegen" (1963) machte ebenso Furore wie Anti-Vietnam-Theater und Opern-Produktionen für das Royal Opera House.