Kabarett René Sydow: Scharfsinnig, boshaft, ehrlich

Ausgefeiltes Manifest: René Sydow.
Ausgefeiltes Manifest: René Sydow. © Foto: Volkmar Könneke
Neu-Ulm / Nina Albus 14.08.2018

Der Unterschied zwischen Wissen und Bildung? Das Internet als eine Bereicherung oder ein virtueller Teufelskreis? Antworten auf solche Fragen hat der Kabarettist René Sydow (38) am Sonntagabend mit seinem Programm „Die Bürde des weisen Mannes“ im Neu-Ulmer Museumshof auf die Freilichtbühne gebracht: scharfsinnig, manchmal boshaft, entwaffnend ehrlich.

Sydows Lieblingsthema: Verdummung durch Digitalisierung und wirtschaftlichen Fortschritt. Er malt die Welt schwarz: „virtuelle Rammdösigkeit“, „moderner Raubtierkapitalismus“, „System des reinen Konsums“. Er kritisiert Reality-Soaps, YouTube-Kanäle und Computerspiele und sagt Sätze wie: „Die Computer erleichtern uns um unser Leben.“

Sein Programm kommt als profund recherchiertes und ausgefeiltes Manifest daher. Immer wieder, fast zu oft, belegt Sydow seine Behauptungen mit Zahlen, immer wieder spricht er über aktuelle politische Themen, immer wieder setzt er mit Wortwitz seiner Kritik das fehlende i-Tüpfelchen auf und unterhält das Publikum damit schlau und spitzfindig. Zum Beispiel über den Unterschied von Wissen und Bildung: „Wenn Sie etwas wissen, können Sie eine Steuererklärung machen. Wenn Sie gebildet sind, können Sie dabei auch noch bescheißen.“

René Sydow, der aus Radolfzell kommt und 2016 den Förderpreis des Deutschen Kabarettpreises erhalten hat, ist ein kluger Kopf, ein rasanter Redner und ein ausdrucksstarker Schauspieler. Er schlüpft in die Rolle seines digitalgeilen Nachbarn, der der Leistungsgesellschaft bis zur perfekten Selbstoptimierung verfallen ist, und in die Rolle des Teufels – der Gipfel von Sydows Polemik gegen die „totale Ausbeutung des freien Willens“.

Doch wie ausbrechen aus diesem virtuellen Teufelskreis? Sydows Antworten darauf: Keine Mausklicker aus Kindern machen, zögern, denken und irren und – ganz wichtig – sich mal wieder so richtig langweilen.

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