Florenz Renaissance und Protestkunst: Ai Weiwei stellt in Florenz aus

Ai Weiwei zeigt im Palazzo Strozzi in Florenz sein Werk.
Ai Weiwei zeigt im Palazzo Strozzi in Florenz sein Werk. © Foto: afp
Florenz / DPA 22.09.2016
Der Künstler Ai Weiwei sorgt in Florenz für Diskussionen. In der Wiege der Renaissance präsentiert er seine bislang größte Einzelausstellung.

 „Ai Weiwei. Libero“. Unter diesem Titel feiert Florenz in den kommenden vier Monaten einen der bekanntesten zeitgenössischen Künstler. „Libero“ – „Frei“ ist der Titel der bislang größten Einzelausstellung des chinesischen Ausnahmekünstlers im Palazzo Strozzi, einem Renaissancepalast im Herzen der Stadt.

Doch die Begegnung zwischen Florenz und dem chinesischen Ikonoklasten verläuft nicht ganz reibungslos. Der Stil des 59-Jährigen erregt die Gemüter der Florentiner und entfacht die gerade in der Wiege der italienischen Renaissance seit Jahrhunderten immer wieder geführte Debatte über die Grenzen von gutem Geschmack und künstlerischem Ausdruck wieder neu. Vor allem „Reframe“ (dt. etwa „neu rahmen“, eine Installation aus 22 orangefarbenen Schlauchbooten an der Fassade des Palazzo Strozzi scheidet die Geister.

Schlauchboote wie diese werden zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer genutzt. Er respektiere jeden, der seine Freiheit suche, sagte der in China lange geächtete Künstler gestern vor der Presse. „Diese Menschen sind die Helden unserer Zeit“, betonte Ai Weiwei. „Es ist ein Werk, das uns veranlasst, stehenzubleiben und nachzudenken“, sagten die Ausstellungsmacher. Ai Weiweis Kritik richte sich diesmal gegen den Westen. „Sie erinnert an die Tragödie jener, die sich auf diese harte und fast hoffnungslose Reise zu den Küsten Europas begeben haben.“

Die Installation ähnelt dem Projekt des Künstlers am Berliner Konzerthaus Anfang des Jahres. Damals hatte Ai Weiwei 14 000 Schwimmwesten an den Säulen des Konzerthauses befestigt – sein Diskussionsbeitrag zur Flüchtlingskrise. Auch in einem Teich des Wiener Schlosses Belvedere hat Ai Weiwei als Teil einer bis 20. November laufenden Schau 1005 gebrauchte Rettungswesten verteilt.

„Reframe“ ist das optisch eindrucksvollste der insgesamt 60 Werke, die ab Freitag bis zum 22. Januar zu besichtigen sind. Seit der Enthüllung der Installation in der vergangenen Woche gab es aber auch laute Kritik aus der Bevölkerung. „Einfach widerlich“, schrieb etwa der Florentiner Roberto Batistoni auf der Facebook-Seite von Bürgermeister Dario Nardella. „Die Fassade eines der schönsten Paläste der Welt mit Dreck zu verunstalten und sogar Steuergelder zu verschwenden, ist eine Schande.“ Gestern gab sich Ai Weiwei von der Feindseligkeit überrascht. Kritik sei jedoch in Ordnung: „Denn in der Kunst, vor allem der zeitgenössischen Kunst, geht es darum, das Bewusstsein zu schärfen und intellektuelle Debatten zu stimulieren.“

Ai Weiwei ist der wohl bekannteste chinesische Gegenwartskünstler. Für seine Kritik am System in China war er dort jahrelang geächtet. Die Ausstellung in Florenz umspannt seine gesamte Karriere von den Anfängen in New York in den 1980ern, der Rückkehr nach China, seinem politischen Aktivismus und der Festnahme 2011 bis zur Ausreise nach Deutschland. Auch eigens für die Ausstellung geschaffene Werke wie Porträts aus Legosteinen von Dante und Galileo Galilei sowie ein Lego-Selbstporträt sind vertreten.

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