Lesung Puneh Ansari und Stefanie Sargnagel: Ur-hip und saulustig

Stefanie Sargnagel liest und erzählt frei.
Stefanie Sargnagel liest und erzählt frei. © Foto: Claudia Reicherter
Ulm / Claudia Reicherter 11.11.2017

Puneh Ansari macht im Prinzip das Gleiche wie Stefanie Sargnagel. Denkt sich mit wachem, hellem Geist Geschichten aus, die sie in wohlüberlegte Worte packt und die gern mal unkonventionell, deftig, abseitig sein dürfen. Ihre Überlegungen zum Thema Fortpflanzung, die sie mit monotoner Stimme statt aus ihrem Buch „Hoffnun’“ von einem Schreibblock abliest, bilden in der SÜDWEST-PRESSE-Galerie ein erstes Highlight der gemeinsamen Lesung der Wiener Autorinnen: Sie könne nicht Kinder kriegen, nur um zu einem geregelten Lebensstil zu finden. Zumal derartige „Unfälle aus Liebe“ bedeuten, „1000 Wochen keine Drogen nehmen dürfen“ und nach 40 Stunden Wehen „nur gefickt und traumatisiert zu sein“. Im Grunde sei das Körperverletzung, fahrlässig, Wahnsinn – „das Ende des Lebens as we know it“.

Man stellt sich gern vor, wie die sehr jung und schüchtern wirkende 34-Jährige mit ihrer wesentlich bekannteren Freundin Sargnagel im „Beisl“ am Tisch sitzt und sich über kochende Männer, E-Blockflöten, Huskies („so schoaf und hot“) und Stuhltransplantationen, die demnächst „ur-hip“ werden, schief lacht. Stefanie Sargnagel, die mit richtigem Namen Sprengnagel heißt, übernimmt nach einer halben Stunde Lesesessel und Mikro. Die 31-Jährige hat das mit der Performance weit besser drauf als Ansari, existiert sie doch seit bald zwei Jahren als selbstständige Künstlerin und legte jüngst mit „Statusmeldungen“ schon das vierte Buch vor.

Der frei gehaltene Kurzabriss ihres Lebens zwischen Proll-­Herkunft, artsy Kunst-Crowd, Linksautonomensozialisation und Jungautorinnen-Start als Ghettorapperin zeigt gleich ihre Stärken: genaues Hinsehen, knapp satirisch überhöhtes Erfassen von Alltäglichem und Allzumenschlichem, dazu Koketterie und Selbst­ironie. Sie bezieht klar Position gegen Rechtspopulismus, Patriarchat und jedweden Hype, legt ex­tremen Wert auf jedes Wort und ist dabei gnadenlos lustig. Wie Max Goldt in jung, weiblich, unblasiert und fäkalsprachenaffin. So gehört zu den zahlreichen Höhepunkten ihrer gut einstündigen Lesung zwischen Callcenter-Dialogen, Flüchtlings-Schmuggeln, Dis­kri­mi­nierungsfreie-Schimpf­wörter-­Suchen („Du Büro!“) und dem Versuch, eine abstinent-bürgerliche Existenz zu führen, der Schock, als sie mal eine Zigarette „ins Klo geschissen“ hat. Dass sie die zuvor reingeworfen hatte, hatte sie „ziemlich verkatert“ vergessen.