Es muss nicht immer Liebe sein. Es reicht eine Ehe! Die birgt Humorvolles, Lächerliches und auch Perfides in sich. Zumindest ist das so in der Szenenfolge „Das Beste zu zweit“,  die in der Theaterei Herrlingen Premiere hatte. Der Zuschauer wird eigene Erfahrungen darin gespiegelt sehen, doch man lässt ihm auch genug Raum zur Distanzierung, was fürs Belachen der Figuren und Themen notwendig ist.

Ja, man kann über die Szenen, die von Theaterdirektorin Edith Ehrhardt zusammengestellt wurden, lachen. Allerdings sind sie nie albern, der Witz wird nicht zum Klamauk. Insgesamt besteht der Abend aus acht sehr unterschiedlichen Szenen mit Nadine Ehrenreich und Frank Ehrhardt, die, bis auf eine Ausnahme, (Ehe-)Paare oder Personen vorführen, die solche werden wollen oder könnten.
Dass die Inszenierung ausgerechnet mit der Ausnahme beginnt, ist durchaus sinnfällig. Denn Loriots Sketch mit einer Nachrichtensprecherin, die sich in einem Wirrwarr von „th“-Lauten verheddert, macht deutlich, dass es an diesem Abend immer auch um Sprache geht.

Einakter führt zielsicher zum Streit

Wie man geradezu gehässig aneinander vorbei redet und dem anderen Dinge in den Mund legt, die der nie gesagt hat, führt „Feierabend“, wieder von Loriot, vor. Ein Mann sitzt zufrieden auf einem gemütlichen Sofa. Nun kommt seine Frau, einen Mopp in der Hand und will, ja was will sie eigentlich? Im Grunde will sie nur nicht, dass er so selbstbestimmt und zufrieden auf dem Sofa sitzt. Die Rede der Frau verselbstständigt sich auf erstaunliche Weise, genau so erstaunlich aber bleibt der Mann ruhig – und sitzen. Keinesfalls gelassen bleibt Ivan Wassiljewitsch Lomow aus Tschechows Einakter „Der Heiratsantrag“. Der führt zielsicher zum Streit über die sogenannte Bullenwiese, die er – wie seine Angebetete – im eigenen Besitz wähnt.
Wie in Tschechows Komödie die Figuren auch ohne Corona nicht zusammen finden, geht es allen Paaren an diesem Abend, ob sie nun aus der Feder von Loriot, Esther Vilar und Susanne Neuffer stammen oder aus Tom Tykwers Film „Lola rennt“ geschnitten sind. Natürlich ist die Form der Inszenierung der Pandemie geschuldet, wenn die zwei Akteure sich nie berühren und auf der Bühne (Ausstattung: Barbara Fumian) rotes Klebeband für Abstand sorgt. Doch zeigt der Abend in der Theaterei eindrücklich, dass wir zum Zwecke der Belustigung innerlich jederzeit auf Abstand gehen können. Die derzeit geforderten eineinhalb Meter sind im Vergleich dazu geradezu lächerlich.

Termine Wieder am 16. und 17. Juli, jeweils um 19 Uhr, am 18. Juli um 20 Uhr, am 19. Juli um 17 Uhr. Weitere Vorstellungen bis Ende August. Karten gibt es unter theaterei.de.