Paris Philosoph André Glucksmann ist tot

DPA 11.11.2015
André Glucksmann, einer der wichtigsten französischen Philosophen der Gegenwart, ist tot. Er starb im Alter von 78 Jahren in der Nacht zu Dienstag. Glucksmann war überzeugter Marxist und militanter Maoist, bevor er in seinen Streitschriften gegen Diktatoren und totalitäre Regime kämpfte.

Mit André Glucksmann hat Frankreich einen seiner bedeutendsten und umstrittensten Philosophen verloren. Frankreichs Staatspräsident François Hollande würdigte Glucksmann via Twitter als Verteidiger der Unterdrückten.

Bereits in seinem ersten Buch "Discours de la guerre" (Diskurs über den Krieg, 1968) geißelte er den Krieg und die nukleare Abschreckung. Als Antimilitarist und Kommunist nahm er an den Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg teil. Seite an Seite mit Jean-Paul Sartre ging er als überzeugter Marxist auf die Straße, bevor er sich Mitte der 70er Jahre den "Neuen Philosophen" anschloss und dem Kommunismus den Rücken kehrte. Auslöser war Solschenizyns Buch "Archipel Gulag". In "Köchin und Menschenfresser" (1975) rechnet Glucksmann mit stalinistischen und marxistischen Systemen ab.

Von nun an kämpfte er gegen jegliche Form des Totalitarismus, machte sich zum Verteidiger der Menschenrechte und kritisierte Europas Politik der Nichteinmischung. Mit Deutschland ging er hart ins Gericht. Er warf der Regierung vor, die Macht von Menschenschlächtern zu akzeptieren, weil sich Deutschland aus dem Libyen-Einsatz herausgehalten hatte. Glucksmann unterstützte den Krieg im Irak und Nicolas Sarkozy als Präsidentschaftskandidaten. Ein Fehler, wie er später bekannte. Seinen Gesinnungswechsel erklärte er damit, dass er bei den Linken die internationale Solidarität vermisse. Glucksmann stammte aus einer jüdischen Familie und wurde 1937, kurz nach der Flucht seiner Eltern aus Deutschland, in Paris geboren. Sein Vater kam nach dem Einmarsch deutscher Truppen ums Leben.