Staatstheater Petras-Abschied: Ein bisschen Wildheit

Abschied aus Stuttgart: Armin Petras.
Abschied aus Stuttgart: Armin Petras. © Foto: Bernd Weissbrod
Stuttgart / Otto Paul Burkhardt 11.07.2018

Irgendwann ist Schluss. Das Bilanz-Buch – eine dicke Kladde mit 440 Seiten – liegt auch schon vor. Am Samstag verabschiedete sich Staatstheater-Schauspielchef Armin Petras samt Ensemble mit einem rauschenden Fest. Fünf Jahre sind wie im Flug vergangen: glänzender Start, dann die Mühen der Ebene mit Gegenwind, schließlich ein beachtlicher Endspurt.

Manche monierten, Petras habe zu viel „hippes“ Performance-Theater importiert. Andere störte die Vielzahl der Romanbearbeitungen. Und klar, es gab auch schwächere, zähe Produktionen. Doch blieben Petras‘ Spielpläne stets vielfältig schillernd, ließen eine Bandbreite zu, die von Hardcore-Experimenten über regionale Stoffe („Das kalte Herz“) und Klassiker-Updates bis hin zu Quoten-Komödien wie „Raub der Sabinerinnen“ reichte.

Die sinkenden Zuschauerzahlen, zu denen auch monatelange Schließzeiten aufgrund der „Nachsanierung“ beitrugen, konnte Petras wieder von 72 auf fast 80 Prozent Auslastung hochwuchten. Dennoch: Anders als die ebenfalls scheidenden Leitungs-Kollegen Reid Anderson, Jossi Wieler und Sergio Morabito wird Armin Petras nicht zum Ehrenmitglied der Staatstheater ernannt. Dass er, bereits verlängert, dann doch nur fünf Jahre amtierte, dürfte eine Rolle gespielt haben.

Was bleibt? Viele starke, großartige, bezaubernde, irritierende und  berührende Theater-Momente! Das größte Verdienst Petras‘: Er hat eine noch nie dagewesene Fülle wichtiger Regisseure nach Stuttgart geholt – junge, später preisgekrönte wie Robert Borgmann und Christopher Rüping, aber auch Jan Bosse, Sebastian Baumgarten oder Kay Voges und Großkaliber wie Frank Castorf und Claus Peymann. Nicht zuletzt: die Schauspieler! Allen voran Edgar Selge, Peter Kurth, Sandra Gerling . . . Und mittendrin Petras: als Team-Coach mit Wollmütze, Regisseur, Autor, Anstoßgeber. Ein Schaffer-Typ.

Gut möglich, dass sich Petras, einst vom Ministerium als „Unruheherd“ gelobt, mit seiner ästhetischen Vielfalt in weiteren drei Jahren vollends durchgesetzt hätte. Jetzt geht er, obwohl von vielen schon als kommender Berliner Volksbühnen-Chef gehandelt, als Hausregisseur nach Bremen. „Ein bisschen Wildheit“ wollte er nach Stuttgart mitbringen. Das ist ihm gelungen.

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