Es sieht fremdartig und futuristisch aus, das Instrument, das nach seinem Erfinder Friedrich Trautwein (1888–1956) benannt ist. Heutzutage kann es fast niemand mehr spielen. Dabei haben Größen wie Hindemith, Orff und Eisler für das Trautonium komponiert. Der Musikpionier Oskar Sala (1910–2002) entwickelte diesen Vorläufer des Synthesizers weiter; er war auch einer seiner letzten Spieler.

Nach Salas Tod drohte das Trautonium gänzlich in der Versenkung zu verschwinden. Dann entdeckte Peter Pichler seine Liebe zu dem „verrückten“ Instrument, das er sich auf eigene Kosten nachbauen ließ. Jetzt hat er eine CD (Label: Paladino Music)  mit tollen Trautonium-Werken des Hindemith-Schülers Harald Genzmer eingespielt, die einfach nur begeistert. „Vom Nachkriegs-Sound zum frühen Krautrock“ lautet ihr Motto, und auf ihr zu hören sind unter anderem Genzmers „Konzert für Mixturtrautonium und Orchester“ von 1952 und andere Werke in einer – passend zum Instrument – elek­trisierenden und hoch spannungsvollen Darbietung.

Herr Pichler, was begeistert Sie so am Trautonium?

Faszinierend sind die vielseitigen elektronischen Klangfarben, basierend auf den Obertönen, also keine wohltemperierte Stimmung. Diese werden gespeist durch den subharmonischen Generator, der mehrstimmiges Spielen auf zwei Manualen möglich macht; keine Tasten, eine unglaubliche Dynamik, der vergessene Klang der Moderne. Als ich das Trautonium zum ersten Mal gehört habe, dachte ich: Es gibt Musik nur für mich!

Was zeichnet Genzmers Kompositionen für das Trautonium aus?

Unter der Last der Ereignisse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg komponierte Genzmer schwere, freie, tonale, elektronische Musik, die den Dur-Akkord neu erfindet, um die erkalteten Herzen mit elektronischer Wärme zu beleben. Musik, die neu anfängt, die nichts „wieder gutmachen“ will. Rhythmus und Harmonie wollen uns überraschen und verwirren.

Wie geht es mit dem Instrument weiter? Wird es „überleben“?

Das Instrument hat wohl keine Zukunft im musikalischen Mainstream, aber es werden sich immer wieder Liebhaber darum kümmern. Es ist zu kompliziert zum Spielen, zu teuer, zu speziell. Ich hab mich viele Jahre mit der Trautonium-Literatur und den Wurzeln des Instruments beschäftigt und werde bald eine weitere CD herausbringen. Diese wird dann so klingen wie elek­tronische Musik vor der Zeit von Kraftwerk.