Konzert Orchester der HS Ulm: Symphonische Dichtung

Ulm / Burkhard Schäfer 17.07.2018

Der Streit zwischen den „absoluten“ und den Programmusikern tobte im 19. Jahrhundert heftig. Man warf einander vor, entweder die „reine Lehre“ durch Hinzunahme außermusikalischer Programme zu verwässern oder – anders herum – in der Vergangenheit mit ihren überkommenen Formen wie der Fuge und dem Sonatensatz zu verharren. Heute ist die Fehde Musikgeschichte. Beide Richtungen haben sich ausdifferenziert und die allerschönsten Blüten hervorgetrieben.

Die „Symphonische Dichtung“ – unter dieses Motto hatten das Orchester der Hochschule Ulm und sein Leiter Virgil Bunea am Samstag ihr Programm gestellt – ist eine besondere Spielart der Programmmusik, wie die Moderatorin Michaela Iwers erläuterte. Fünf der bekanntesten und schönsten sinfonischen Dichtungen hatten die Musiker einstudiert: von Debussy („Prélude à l’après-midi d’un faune“), Dvorák („Der Wassermann“), Sibelius („Finlandia“), Saint-Saëns („Danse Macabre“) und Smetana („Die Moldau“).

Mit der delikatesten Tondichtung, dem „Faun“ von Debussy, dem die Solistin Anja Palberg die Flötentöne – nein, nicht beibrachte, sondern vielmehr kongenial unterlegte, begann der Abend. War das Zusammenspiel der Musiker hier zu Beginn noch ein klein wenig unkoordiniert, änderte sich das beim zweiten Stück, dem „Wassermann“, schlagartig.

Überhaupt: Was für ein scharfer Kontrast! Nach dem „sorglosen Genäsel“ (Thomas Mann) des Fauns jetzt ein Psychokrimi, der sich buchstäblich gewaschen hat. Toll, wie das Orchester die Abgründe und Brutalitäten dieses sinfonischen Seelengemäldes nachzeichnete, dass man das Drama des vergewaltigenden und schließlich sein eigenes Kind mordenden Wassermanns regelrecht vor Augen sah.

Finnische Renitenz

Wieder ganz anders dann das national-pathetische „Finlandia“, bei dem die Bläser in Hochform waren und mehr als nur einen Hauch von finnischer Renitenz gegenüber den einstigen russischen Besatzern verbreiteten. Mit dem anschließenden „Danse Macabre“ ließ das Orchester dann eine gefühlte Geisterstunde lang die Toten auferstehen und zur (einen Halbton nach unten gestimmten) „Fidel“ (stark: Stela Bunea an der Geige) tanzen, dass die Gebeine nur so klapperten.

Zum guten Schluss gelang den Musikern mit Smetanas Hit ein bravuröser Szenenwechsel. Die Moldau zeigte sich unter Virgil Buneas begnadeten Händen von ihrer „böhmischsten“ Seite. Zum Dank für den heftigen Applaus gab es die „Bauernhochzeit“ aus diesem Stück. Da capo. 

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel