Berlin Opernregisseur Harry Kupfer feiert seinen 80. Geburtstag

Harry Kupfer wird 80 - und inszeniert weiter.
Harry Kupfer wird 80 - und inszeniert weiter. © Foto: dpa
Berlin / ESTEBAN ENGEL, DPA 12.08.2015
Harry Kupfer hat wie kaum ein anderer Regisseur die deutsch-deutsche Opernszene geprägt. Auch mit 80 macht er auf der Bühne weiter.

Er reiste zwischen Wien, Bayreuth und Ost-Berlin, lange, bevor die Mauer fiel: In den Jahren der Teilung konnte Harry Kupfer Grenzen überwinden und so zum stilprägenden deutsch-deutschen Opernregisseur werden. Mit seinem "Ring" in Bayreuth schrieb er Theatergeschichte, die Komische Oper Berlin führte er künstlerisch von der DDR in das wiedervereinigte Deutschland. Auch wenn Harry Kupfer heute 80 Jahre alt wird - ein Ruhestand kommt für den Opernmann nicht infrage. Im Gegenteil.

Kupfers Kalender ist voll. Im Oktober bringt er eine neue Fassung von Glinkas "Ein Leben für den Zaren" in Frankfurt auf die Bühne, im Sommer 2016 feiert sein umjubelter Salzburger "Rosenkavalier" mit Dirigent Zubin Mehta in der Mailänder Scala Premiere.

Der gebürtige Berliner verdankt seinen Beruf eigentlich einer großen Musikalität - und einer schwachen Stimme. Weil er nicht singen konnte, sei ihm nur das Regiefach geblieben, um seine Leidenschaft für die Oper zu stillen. Mit 23 Jahren gab er sein Regiedebüt mit Antonin Dvoraks "Rusalka" in Halle. Nach Stralsund, Chemnitz, Weimar und zuletzt als Staatsoperndirektor in Dresden zog er 1981 nach Berlin.

Der Moderne und den verfemten Komponisten fühlt sich der Schüler von Regie-Meister Walter Felsenstein noch immer verpflichtet. 1994 hatte Kupfer Berthold Goldschmidts musikalische Tragikomödie "Der gewaltige Hahnrei" auf die Bühne gebracht. Zu Kupfers Sternstunden gehören fesselnde Deutungen von Aribert Reimanns "Lear" oder Bernd Alois Zimmermanns "Soldaten" ebenso wie Uraufführungen von DDR-Komponisten. "Ich möchte alle Fragen der Welt in dieser schönen totalen Kunstform, der Oper, durchspielen, um dabei Vorschläge zu machen für das Zusammenleben der Menschen", sagte Kupfer einmal. "Es ist mein unmittelbares Bedürfnis, mich in dieser Kunstgattung zu äußern, eigentlich meine Lebensform." In den vergangenen Jahren arbeitete er in Dresden und Sydney, brachte den "Ring" in Barcelona und den "Parsifal" in Helsinki heraus. Zur Seite steht ihm dabei immer wieder der Bühnenbildner Hans Schavernoch.

Bereits 1978 brachte es Kupfer bis nach Bayreuth, wo er mit einem "Fliegenden Holländer" in psychoanalytischer Deutung eher gemischte Reaktionen auslöste. Zwar konnte Kupfer zu DDR-Zeiten immer in den Westen ausreisen - ganz verlassen wollte er die DDR nicht. "Im Westen hätte ich nie so gute Arbeitsbedingungen gefunden. Außerdem hatte ich das Gefühl, in der DDR als Künstler gebraucht zu werden", sagte er nun der "Opernwelt".

Zehn Jahre später produzierte er in Bayreuth mit Daniel Barenboim den "Ring des Nibelungen". Die Fallstudie aus dem Irrenhaus wurde als Ereignis gefeiert. Ein Meilenstein wurde auch die Aufführung der zehn wichtigsten Wagner-Werke an der Berliner Staatsoper - wieder mit Barenboim am Pult. "Menschen mit ihren Konflikten, Problemen und Widersprüchen gehören auf die Opernbühne", sagte Kupfer - eine Haltung, die er auch bei zeitgenössischen Komponisten fand, weniger beim Regie-Nachwuchs. "Ich hatte den Eindruck, dass bei vielen jungen Regisseuren das Ego, grelle Bilder wichtiger waren, als die Stücke, die Texte, die Musik".

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