Sterneköche fürchten sich vor dem unangekündigten, anonymen Besuch der Restaurant-Tester – oder anders gesagt: Die hohe Qualität muss dem Gast Tag für Tag garantiert sein. Die Oper kennt das: Nicht nur die Premiere zählt, auch Jahre danach erwartet der Zuschauer in seiner Vorstellung ein Erlebnis. So ist es an der Zeit, ein Loblied auf den Repertoirebetrieb der Oper Stuttgart anzustimmen, wo jetzt die Wiederaufnahme der „Zauberflöte“ unter Leitung von Roland Kluttig der pure Genuss war.

„Ist’s denn auch Wirklichkeit, was ich sah? Oder betäubten mich meine Sinne?“ Die Zweifel des Prinzen Tamino machte Peter Konwitschny im Jahre 2004 zum Kern seines Regie-Konzepts. Der Regisseur hinterfragt die vertraute Geschichte, konterkariert die Figuren und macht sich auch gerne lustig über die Popularität von Mozarts „Zauberflöte“. Allerdings nicht auf Kosten des Publikums, im Gegenteil: Diese scharfsinnige, klischeeferne Inszenierung fällt ungemein lebhaft und lustig aus – und eigentlich noch überzeugender als vor 13 Jahren bei der Premiere. Kein Wunder: Kein Assistent hat mal kurz mit den Sängern die  erprobte Inszenierung nachgestellt, Star-Regisseur Konwitschny selbst war wieder angereist für einen neuen Schliff.  Diese „Zauberflöte“ stammt noch aus der Ära Klaus Zehelein, wurde in der Intendanz Albrecht Puhlmann gespielt und unter Jossi Wieler nicht weniger gepflegt – das nennt man Nachhaltigkeit.

Attila Jun gibt noch immer Bass-monströs den Sarastro, ansonsten war das jetzt ein sensationell junges, begeisterndes Ensemble. Nicht weniger als sieben Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Stuttgarter Nachwuchs standen auf der Bühne: ehemalige oder aktuelle Mitglieder des Opernstudios. Allen voran Kai Kluge als Tamino mit kraftvollem, lyrisch-farbenreichem Tenor; kein abgeklärter Prinz, sondern ein Naturbursche. Und Dominic Große als Papageno, der als schlaksig hüpfender Schlagerfuzzi mit dem „Mädchen-oder-Weibchen“-Hit das Opernhaus rockt.