Nürnberg Nürnberger Archiv digitalisiert alte Fotoaufnahmen bekannter Künstler und zeigt sie online

Digitalisiert: ein historisches Foto der Malerin und Puppenmacherin Käthe Kruse.
Digitalisiert: ein historisches Foto der Malerin und Puppenmacherin Käthe Kruse. © Foto: dpa
Nürnberg / KLAUS TSCHARNKE 14.10.2014
Ihre Werke sind Kunstfreunden meist gut bekannt, Fotos von den Künstlern dagegen oft eine Rarität. Das Deutsche Kunstarchiv zeigt sie jetzt.

Lange glich die historische Fotosammlung einem schwer zugänglichen Schatz. Wer im Deutschen Kunstarchiv in Nürnberg nach alten Porträts, Atelier- oder Familienbildern deutschsprachiger Künstler suchte, musste sich im Keller des Germanischen Nationalmuseums durch lange Archivbox-Reihen arbeiten. In den Nachlässen von knapp 1400 Kunstschaffenden stießen Kunsthistoriker immer wieder auf überraschende Fotos - oft verborgen zwischen Stapeln von Briefen und privaten Dokumenten.

4000 Fotos aus Nachlässen will das Deutsche Kunstarchiv bis zum nächsten Frühjahr ins Internet stellen. 450 davon werden bereits vom 22. Oktober an in einer virtuellen Ausstellung gezeigt - pünktlich zum 50. Geburtstag des Archivs. Den Anstoß für die Digitalisierung hatte vor Jahren ein Gemeinschaftsprojekt von neun Archiven der Leibniz-Gemeinschaft gegeben. Seit 2012 scannen neun deutsche Museen und Archive Fotos wichtiger Persönlichkeiten ihrer jeweiligen Fachgebiete ein. Bis zu 33 000 Fotos sollen im Rahmen des Projekts "DigiPortA" ins Internet gestellt werden - eine Fundgrube für alle, die bei Recherchen die Gesichter zum jeweiligen Forschungsgegenstand suchen.

Die Leiterin des Deutschen Kunstarchivs, Birgit Jooss, war über die Ausbeute selber erstaunt: Neben klassischen Künstlerporträts und Atelierfotos stießen sie und ihre Kollegen in den Nachlässen auf viele Aufnahmen, die Einblicke ins Privatleben der Maler, Grafiker, Fotografen, Architekten, Kunstwissenschaftler und Kunstsammler liefern. "Beispielsweise sind auf etlichen Aufnahmen die Ehefrauen der Künstler zu sehen, über die man sonst wenig weiß. Sie bekommen dank dieses Projekts endlich auch ein Gesicht." Etliche Bilder zeigen Künstler bei Festen und Partys, auf Reisen oder als Soldaten im Krieg, wie etwa den Maler Otto Dix.

Diese Entdeckungen motivierten die Macher des Kunstarchivs zu der Präsentation im Internet. "Wir waren so begeistert, dass wir meinten: Da muss man mehr draus machen", sagt Jooss. Sie erhofft sich von dem künftig deutlich erleichterten Zugang zu den Bildquellen auch neue Impulse für die kunsthistorische Forschung. "Wir haben viele Fotos,

die Künstler zusammen mit unbekannten Freunden und Künstlerkollegen zeigen. Vielleicht bekommen wir durch die stärkere Verbreitung per Internet Hinweise, um wen es sich bei den Abgebildeten handelt."

Das Kunstarchiv, das größte Archiv für schriftliche Nachlässe zur deutschsprachigen Kunst und Kultur, hat nicht nur Fachleute im Blick. Etliche Aufnahmen stammen aus der Anfangszeit der Fotografie. Das älteste Foto entstand im Jahr 1870. Ein Foto von 1888 zeigt Max Kruse, den Ehemann der Puppengestalterin Käthe Kruse, in einem Historienkostüm, mit dem er sich an einem Künstlerzug anlässlich der Silbernen Hochzeit von Großprinz Friedrich in Berlin beteiligte.

Etliche Fotos illustrieren das Lebensgefühl der Künstler und ihre Zeit besser als schriftlichen Dokumente. Ein Foto von 1910 zeigt den Künstler Karl Arnold auf einem Sofa in seinem Arbeitszimmer - vor Wandteppichen, die anscheinend aus dem kolonialen Afrika stammten. Im selben Jahr ließ sich Franz Marc entspannt mit seinem Hund und beim Teetrinken ablichten.

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