Bamberg/Klagenfurt Nora Gomringer nach ihrem Sieg beim Bachmann-Wettbewerb

Hat allen Grund zur Freude: Nora Gomringer.
Hat allen Grund zur Freude: Nora Gomringer. © Foto: dpa
Bamberg/Klagenfurt / DPA 07.07.2015
Wettkämpfe mag Nora Gomringer eigentlich nicht. Beim Bachmann-Preis in Österreich konnte sie die Jury dennoch von sich überzeugen.

Am Tag nach ihrem Sieg beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt kehrt Nora Gomringer (35) schon wieder unmittelbar in ihr Büro im Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg zurück. Schließlich leitet die Lyrikerin als Direktorin das Haus, das mit Stipendien internationalen Künstlern ein Jahr lang konzentriertes und ungestörtes Arbeiten ermöglicht.

Nach dem Sieg am Sonntag sagten Sie, Sie seien noch ganz benommen. Wie geht es Ihnen jetzt?

NORA GOMRINGER: Wir sind die ganze Nacht bis halb vier durchgefahren, insofern bin ich dauerbenommen. Aber ich bin da sehr pragmatisch und freue mich sehr, denke aber auch an all die Kollegen, mit denen ich diese Tage verbracht habe. Ich bin kein Typ, der jetzt die ganze Nacht Schampus trinken müsste. Ich bin beschenkt von der Freundlichkeit, die ich erfahren habe. Öffentlicher Neid wäre wirklich schwer zu händeln für mich, denn ich bin harmoniesüchtig. Jetzt geht es auch gleich ins Büro, es ist meine Aufgabe, fürs Haus da zu sein.

Wie geht Ihre künstlerische Arbeit jetzt weiter? Langeweile dürfte ja spätestens nach dem Preis nicht aufkommen. . .

GOMRINGER: Am Ende dieses Jahres werden sechs neue Bücher von mir erschienen sein, zwei sind bereits erschienen. In einem Monat etwa erscheint der Gedichtband "ach du je". Es ist viel los, ich leide nicht an Unterbeschäftigung. Allein in Klagenfurt musste ich drei Auftragstexte abliefern, etwa Vorworte, was mich auch sehr ehrt.

Beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt steht ganz klar der Wettbewerbscharakter im Vordergrund. Wie empfanden Sie diese Wettbewrbsituation?

GOMRINGER: Ich bin es gewohnt, in der Öffentlichkeit aufzutreten - ob vor fünf, 500 oder 5000 Menschen, all das kenne ich. Ich fühlte mich in Klagenfurt im Studio sehr wohl, es las sich sehr angenehm. Dass die Leute mitlesen, auch gleichzeitig umblättern, das hatte eine gewisse Intimität: Es fühlte sich schön an, dass Leute da sind, die ebenfalls drin sind im Text. Wettkämpfe allerdings mag ich eigentlich schon seit den Bundesjugendspielen nicht.

Und trotzdem waren Sie jahrelang in der Poetry-Slam-Szene aktiv, wo der Wettkampf ja Programm ist?

GOMRINGER: Ja, Poetry Slam funktioniert aber nun einmal als Wettbewerb. Entweder man erträgt es oder man trennt sich - so wie ich vor zehn Jahren. In Klagenfurt aber war ich präpariert. Dann aber muss man alle Scheu ablegen. Es ging sehr gut, weil ich mit einem Team angereist bin - dann hält einem mal jemand eine Dose Cola hin, das ist angenehm. Es war also das "Team Gomringer" am Start: Meine beiden Verleger, meine Assistentin, meine Mutter und mein Freund.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel