Seit 600 Jahren hat der steinerne Schildknappe gute Laune. „Er hat schon viel erlebt und gesehen, und ist trotzdem aus Überzeugung Optimist geblieben“, sagt Eva Leistenschneider, Kuratorin für Alte Kunst im Museum Ulm. Die Figur sorge bei Besuchern und auch bei ihr für gute Laune. Irgendwie wolle man es dem Schildknappen in dieser Zeit, in einer Situation, mit der noch vor wenigen Wochen fast niemand so gerechnet hat, unbedingt glauben: Alles wird gut.

Mit der Figur des um 1400 geborenen Ulmer Bildhauers und Malers Hans Multscher beginnt die Kulturredaktion der SÜDWEST PRESSE eine Serie, die über die vor allem für Kulturschaffende, aber auch Kulturinteressierte schwierige Zeit ein wenig hinwegtrösten soll. In Zusammenarbeit mit den Museen aus Ulm und Umgebung wollen wir die Kunst aus der erzwungenen Isolation holen und – zumindest als Foto – zu den Betrachtern bringen. So wollen wir auch ein bisschen Zuversicht verbreiten, dass es ein Leben neben Corona gibt. „Galerie der Zuversicht“ haben wir deswegen die Serie getauft.

Die Situation in den Museen ist derzeit absurd: Die Türen bleiben noch mindestens für Wochen geschlossen, Ausstellungen werden abgesagt, andere, wie die des Bildhauers Andreas Kuhnlein im Kunstmuseum des Landkreises Neu-Ulm, stehen fertig aufgebaut da, konnten aber noch keinen Tag besichtigt werden. Auch das Museum Ulm ist betroffen, im HfG-Archiv hätte diese Woche eigentlich eine Schau über den Gestalter Hans Gugelot eröffnen sollen.

Im Museum Ulm ist es gespenstisch leer

„Das leere Museum ist schon etwas gespenstisch“, schildert Leistenschneider die Situation an ihrem Arbeitsplatz. Das Museumsteam sei weiterhin vor Ort, baue die geplanten Ausstellungen auf und arbeite auch weiter an den übrigen Projekten für 2020/21, auch wenn das jetzt natürlich erst einmal unter Vorbehalt geschehe. „Wir haben aus anderen, nun ebenfalls geschlossenen Museen bereits Absagen für ursprünglich zugesagte Exponate erhalten. Da müssen wir jetzt improvisieren.“ Die Kollegen vom Aufsichtsdienst, deren Arbeit durch die Schließung am unmittelbarsten betroffen ist, unterstützten die Kuratoren zur Zeit in anderen Bereichen.

Abtauchen möchte das Museum Ulm auf keinen Fall, wie Leistenschneider erklärt: „Wir denken über Möglichkeiten nach, wie das Museum zumindest im digitalen Bereich für die Öffentlichkeit weiter sichtbar bleiben kann“ Im Homeoffice sei noch niemand, aber die Mitarbeiter bereiteten sich darauf vor. So gut es eben geht: „Viele Tätigkeitsbereiche eines Museums lassen sich von zu Hause aus nicht ausüben.“ Leistenschneider hat es als Kuratorin relativ einfach: „Ich kann zu Hause meine nächste Ausstellung inhaltlich vorbereiten oder an der Katalog-Redaktion für die Berblinger-Ausstellung mitarbeiten. Aber auch bei uns würde vieles erst einmal liegenbleiben müssen, wofür wir auf die museale Infrastruktur angewiesen sind.“

Der Knappe stammt vom Ulmer Rathaus

Umso wichtiger, dass der Schildknappe gute Stimmung verbreitet, auch wenn derzeit nur einzelne Mitarbeiter davon etwas haben. Früher tat er dies an einem anderen Platz: der Rathausfassade. Hans Multscher schuf die Skulptur um 1430 als Teil eines Zyklus der Kurfürsten, der Fenster auf der Ost- und der Südseite rahmt. Seit 1914 befinden sich die Originale im Museum; am Rathaus stehen Kopien.

Lächelnde Skulpturen, erklärt Leistenschneider, seien im Mittelalter ohnehin eher die Ausnahme als die Regel, aber das breite Grinsen dieses Schildknappen mit seinen Lachfältchen sei wirklich außergewöhnlich. Und wirke – auf ganz positive Weise – ansteckend.

Die SWP-Serie gegen die Corona-Tristesse


Die „Galerie der Zuversicht“ hat solange geöffnet, bis die Museen und Ausstellungshäuser in Ulm und Umgebung wieder öffnen dürfen. Das wird frühestens nach dem Ende der Osterferien der Fall sein.

Die Serie zeigt in loser Folge Kunstwerke aus den Sammlungen und aktuellen Ausstellungen der Museen.